Ahmed Saadawi
Während des Bürgerkriegs arbeitete Ahmed Saadawi als Journalist in Bagdad. In einem Leichenschauhaus erlebte er, wie ein junger Mann den Leichnam seines Bruders finden wollte und man ihm sagte, er solle einfach Körperteile nehmen, die er finde, und daraus einen Körper machen. Diese Erfahrung ging in seinen Roman „Frankenstein in Baghdad“ ein, an dem er vier Jahre schrieb und der 2013 auf Arabisch erschien. Saadawi wurde 1973 geboren und arbeitet in Bagdad als Dokumentarfilmer und Autor. Er veröffentlichte 2000 einen Lyrikband, 2004 und 2008 je einen Roman. 2010 wurde er auf dem Hay Festival in Beirut für Beirut39 ausgewählt, als einer der 39 besten arabischen Autoren unter 40 Jahren. „Frankenstein in Baghdad“ ist eine Adaption des Frankenstein-Stoffes in Kriegszeiten: Hadi al-Attag setzt in Bagdad aus den Leichenteilen von Opfern der Bombenanschläge einen Körper zusammen, der zum Leben erwacht und für die Menschen, aus deren Körperteilen er besteht, Rache nimmt. 2014 erhielt Saadawi dafür als erster irakischer Autor den International Prize for Arabic Fiction. Der Preis wurde ihm auf der Abu Dhabi International Book Fair überreicht und garantierte eine Übersetzung ins Englische. 2017 folgte für das Buch der Grand prix de l'Imaginaire in der Kategorie fremdsprachiger Roman. Die englische Übersetzung von Jonathan Wright stand 2018 auf der Shortlist des Man Booker International Prize, 2019 auf der des Arthur C. Clarke Award. Die britische Rezensentin Sarah Perry sah in der Geschichte Anklänge an Kafka wie an Shelley; eine Besprechung in Haaretz nannte Saadawis Stil klug, eine Verbindung von Momenten der Anmut und des Mitgefühls mit makabrem Humor. Die New York Times schrieb, das Werk verbinde das Überirdische, das Grauenhafte und das Alltägliche mit großartiger Wirkung. Auf Deutsch erschien „Frankenstein in Bagdad“ 2019 bei Assoziation A, aus dem Arabischen übersetzt von Hartmut Fähndrich. Von 2017 bis 2019 kamen zwei weitere Romane und ein Erzählband von Saadawi heraus.
- Nationalität
- Irak