Anders Bodelsen
In Dänemark gilt Anders Bodelsen als Chronist der Mittelschicht, in Deutschland als Science-Fiction-Autor. Beides stimmt, nur nicht zugleich: Von den knapp dreißig Romanen, die zwischen 1959 und 2009 erschienen, gehören zwei zur Science-Fiction, und einer davon ist das Buch, mit dem er hierzulande bekannt wurde. Geboren wurde er am 11. Februar 1937 in Frederiksberg, aufgewachsen ist er in Kopenhagen. Er studierte Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft und Volkswirtschaft. 1959 erschien sein erster Roman, und im selben Jahr begann er für dänische Zeitungen und Zeitschriften zu arbeiten; er gab eine Literaturzeitschrift heraus und war Kritiker beim dänischen Fernsehen und bei der Tageszeitung Politiken. In der dänischen Literatur zählt man ihn zur Welle des neuen Realismus, zusammen mit Christian Kampmann und Henrik Stangerup. Seine Stoffe sind Thriller über Leute der Mittelschicht, die in Versuchung geraten, durch einen Diebstahl oder eine moralische Grenze, die sich überschreiten lässt. Was sie an Wohlstand gewonnen haben, gerät mit dem in Konflikt, was ihnen sonst wichtig war. "Frysepunktet" von 1969 verlegt diese Rechnung in die Zukunft. Bruno, ein junger Zeitschriftenredakteur, bekommt die Diagnose Krebs und lässt sich einfrieren; zwei Jahrzehnte später erwacht er in einer technisch vollkommenen Welt, die sich als Alptraum erweist. Auf Deutsch erschien das Buch 1971 als "Brunos tiefgekühlte Tage", übersetzt von Monika Buttler. Der zweite Roman dieser Art, "Villa Sunset" von 1964, handelt vom Hereinbrechen einer neuen Eiszeit. Verfilmt wurde Bodelsen oft, ein Roman sogar zweimal: "Tænk på et tal" kam 1969 als "Geld zum zweiten Frühstück" ins Kino und 1978 ein zweites Mal als "The Silent Partner". Er schrieb selbst Drehbücher, arbeitete mit dem dänischen Fernsehen an der Verfilmung seiner Kinderthriller und trat in "Die Olsenbande in der Klemme" als Schauspieler auf. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem dänischen Kritikerpreis 1968, dem Grand prix de littérature policière 1971 und dem Søren-Gyldendal-Preis 1981. Er starb am 17. Oktober 2021 im Alter von 84 Jahren.
- Geboren
- 11. Februar 1937
- Gestorben
- 17. Oktober 2021
- Nationalität
- Dänemark