Baoshu

Als 2010 in China der letzte Band von Liu Cixins Trisolaris-Trilogie erschien, studierte Li Jun an der KU Leuven in Belgien und konnte das Buch nicht rasch bekommen; ein Freund schickte ihm sämtliche Seiten. Er las den Roman ohne Pause und schrieb in rund drei Wochen eine Fortsetzung von 100.000 Schriftzeichen, "Three Body X: Aeon of Contemplation". Sie stand weniger als einen Monat nach dem Original im Netz, fand viele Leser und Liu selbst, der die Veröffentlichung 2011 genehmigte; das Buch erschien beim Chongqing Publishing House, dem Verlag der Trilogie. Li Jun wurde 1980 in Guangyuan in der Provinz Sichuan geboren und studierte Philosophie an der Peking-Universität, wo er sich viel im Campusforum BDWM und im Forum SMTH der benachbarten Tsinghua-Universität bewegte. Dort wählte er als eines von vielen Pseudonymen den Namen Baoshu, wörtlich "göttlicher Baum", in Wahrheit der Name eines bösen Mönchs aus Louis Chas "Fox Volant of the Snowy Mountain". Mit der Zeit wurde er sein wichtigstes Pseudonym; seine Romane über Kampfkunst schreibt er als Ping Xinyuan. Nach dem Abschluss ging er für einen zweiten Master in Philosophie an die KU Leuven. Leser von Liu Cixin war er nach eigener Aussage gegenüber der Autorin Xia Jia seit 2000, als Liu seine ersten Erzählungen veröffentlichte; eigene Geschichten schrieb er erst ab 2010 in Leuven. Die Fortsetzung löste im Netz viele Diskussionen aus und erschien auf Englisch im Juli 2019 bei Tor Books als "The Redemption of Time", übersetzt von Ken Liu, auf Deutsch 2021 bei Heyne als "Botschafter der Sterne". 2012 machte Li das Schreiben zum Beruf. "Ruins of Time" (2013) sperrt die Gegenwart in eine Zeitschleife aus einem einzigen Tag, dem 11. Oktober 2012, und verbindet Science-Fiction mit dem westlichen Endzeitthema; der Roman erhielt 2014 den chinesischen Nebula. Dreimal gewann er den Galaxy Award, 2012, 2014 und 2019. Die Erzählung "What Has Passed Shall in Kinder Light Appear" versteht er selbst eher als alternative Geschichte denn als harte Science-Fiction: Sie lässt reale Ereignisse rückwärts ablaufen, von einem China mit Olympischen Spielen bis zum Zweiten Weltkrieg, und Jean-Paul Sartre tritt darin auf. Die chinesische Fassung "Da shidai" kursierte nur inoffiziell im Netz; Ken Liu übersetzte sie, und The Magazine of Fantasy & Science Fiction druckte sie im März/April 2015. Auf Deutsch erschien die Erzählung als "Großes steht bevor" in der Anthologie "Zerbrochene Sterne", "Tochter des Meeres" in "Quantenträume". Weitere Texte brachten The Magazine of Fantasy & Science Fiction und Clarkesworld auf Englisch.

Nationalität
Volksrepublik China

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