Bernhard Kellermann
Eine Gesamtauflage von über einer Million, fünfundzwanzig Sprachen, vier Verfilmungen zwischen 1915 und 1935: Der Tunnel von 1913 war einer der großen deutschen Bucherfolge seiner Zeit. Den Namen des Mannes, der ihn geschrieben hat, kennt heute kaum noch jemand, und das liegt nicht am Buch. Bernhard Kellermann kam am 4. März 1879 in Fürth zur Welt, als Sohn eines Magistratssekretärs. 1899 nahm er an der Technischen Hochschule München ein Studium auf, wandte sich dann aber der Germanistik und der Malerei zu. Ab 1904 machte er sich als Romanautor einen Namen: Yester und Li erlebte bis 1939 einhundertdreiundachtzig Auflagen, Ingeborg von 1906 einhunderteinunddreißig. Vor dem Ersten Weltkrieg reiste er in die Vereinigten Staaten und nach Japan; die Reiseberichte illustrierte der Schweizer Maler Karl Walser. Der Tunnel erschien 1913 bei S. Fischer, und von da an änderte sich sein Schreiben. An die Stelle der impressionistischen, lyrischen Prosa trat die gesellschaftskritische Darstellung. Im Ersten Weltkrieg berichtete Kellermann als Korrespondent des Berliner Tageblatts von der Front, 1920 folgte Der 9. November, ein Roman über das Verhalten von Soldaten und Offizieren gegenüber der Bevölkerung. In den zwanziger Jahren war er zwei Jahre lang in Asien unterwegs, streckenweise mit Esel und Karawane; daraus wurden die Reisebücher Auf Persiens Karawanenstraßen und Der Weg der Götter. 1926 wurde Kellermann in die Sektion Dichtung der Preußischen Akademie der Künste aufgenommen. Er unterzeichnete die von Gottfried Benn verlangte Loyalitätserklärung zum NS-Staat und wurde trotzdem am 5. Mai 1933 ausgeschlossen. Der 9. November wurde verboten und öffentlich verbrannt. Kellermann emigrierte nicht und leistete keinen Widerstand; er schrieb von da an Trivialromane. Nach dem Krieg gründete er zusammen mit Johannes R. Becher den Kulturbund, saß in der Volkskammer der DDR und stand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft vor. Für den Roman Totentanz erhielt er 1949 den Nationalpreis der DDR. Genau dieses Engagement kostete ihn den westdeutschen Buchmarkt: Die Buchhändler nahmen seine Titel aus dem Angebot, und sein Name geriet dort in Vergessenheit. Kurz vor seinem Tod am 17. Oktober 1951 rief Kellermann die Schriftsteller beider deutscher Staaten auf, sich für gesamtdeutsche Beratungen einzusetzen.
- Geboren
- 4. März 1879
- Gestorben
- 17. Oktober 1951