Brian W. Aldiss
Visionär zwischen den Welten Die weiten Felder von Norfolk im Jahr 1925 – hier, wo der Himmel endlos über das flache Land zu reichen scheint, wurde Brian Wilson Aldiss am 18. August geboren. Die Landschaft seiner Kindheit würde später in seinen Werken widerhallen: jene Ahnung von Unendlichkeit, die sich durch alle seine Science-Fiction-Universen ziehen sollte. Der Weg zur Literatur Bereits als Sechsjähriger im Internat entdeckte Aldiss die Macht der Worte. Um nicht von älteren Mitschülern verprügelt zu werden, erzählte er ihnen im Schlafsaal Geistergeschichten – eine frühe Lektion über die schützende und verbindende Kraft des Erzählens. Nach seinem Militärdienst von 1943 bis 1947 begann er zu schreiben, und schon in den 1950er Jahren entwickelte er sich zu einem der auffälligsten Talente der Genre-Science-Fiction auf beiden Seiten des Atlantiks. Sein Durchbruch kam mit der "Hothouse"-Sequenz von 1961 – fünf zusammenhängende Geschichten, die kollektiv den Hugo Award für die beste Kurzgeschichte 1962 gewannen. Diese visionäre Darstellung einer fernen Zukunft, in der gigantische Flora die sonnenbeschienene Hälfte einer bewegungslosen Erde übernommen hat, etablierte Aldiss als Meister der spekulativen Literatur. Die schöpferischen Quellen Aldiss schöpfte aus einem unerschöpflichen Reservoir von Neugier und intellektueller Redlichkeit. Seine Inspiration fand er nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der menschlichen Condition selbst. Als erste Präsident der modernen British Science Fiction Association von 1960-1964 prägte er das Genre nachhaltig. Zusammen mit Harry Harrison gründete er das kritische Journal "SF Horizons", das dem Genre neue theoretische Tiefe verlieh. Die menschliche Seite Was Aldiss von anderen Science-Fiction-Autoren unterschied, war seine Weigerung, sich in eine Schublade stecken zu lassen. Er war unermüdlich produktiv und schuf nicht nur Abenteuergeschichten im Weltraum und Zeitreisen, sondern auch experimentelle literarische Fiktion und nachdenkliche Memoiren. Sein Unbehagen damit, als Leitfigur der British New Wave zu gelten, zeugte von einer Bescheidenheit, die seine Größe nur noch verstärkte. Das lebendige Erbe Brian W. Aldiss verstarb am 19. August 2017 in Oxford – einen Tag nach seinem 92. Geburtstag. Doch sein Werk lebt weiter und inspiriert neue Generationen von Autoren und Lesern. Er war der führende britische Science-Fiction-Autor seiner Zeit, und dass er auch einer der vielseitigsten Schriftsteller überhaupt war, ist eine Tatsache, die noch immer von zu wenigen entdeckt wird. Seine Philosophie fing er selbst am besten ein: Die Zukunft ist nicht vorhersagbar, aber sie ist gestaltbar – durch Vorstellungskraft, Mut und die unerschütterliche Überzeugung, dass Geschichten die Welt verändern können.
- Geboren
- 1925-08-18
- Gestorben
- 2017-08-19
- Nationalität
- UK