Chad Oliver

Chad Oliver dachte gern, zwischen seinen beiden Berufen gebe es eine Rückkopplung: Die offene Sichtweise der Science-Fiction habe ihn möglicherweise zu einem besseren Anthropologen gemacht, und die Strenge der Anthropologie umgekehrt zu einem besseren Science-Fiction-Autor. Er sagte das als jemand, der beides hauptberuflich betrieb. Geboren wurde Symmes Chadwick Oliver am 30. März 1928 in Cincinnati, Ohio; 1943 zog die Familie nach Crystal City in Texas. 1946 kam er als Student an die University of Texas at Austin und blieb ihr siebenundvierzig Jahre lang verbunden, unterbrochen nur von der Promotion in Kalifornien. 1951 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab, 1952 folgte ein Master in Englisch und Anthropologie, 1961 die Promotion an der University of California in Los Angeles; seine Dissertation erschien 1962 als "Ecology and Cultural Continuity as Contributing Factors in the Social Organization of the Plains Indians". Seine Masterarbeit von 1952 hieß "They Builded a Tower" und gehörte zu den frühen akademischen Arbeiten über Science-Fiction auf dieser Stufe, womöglich war sie die erste über die Magazin-Science-Fiction. Ab 1955 lehrte Oliver in Austin physische und kulturelle Anthropologie, 1959 wurde er Assistant Professor, 1963 Associate Professor, und zweimal stand er dem anthropologischen Institut vor. 1980 bekam er den Harry Ransom Award für herausragende Lehre; der Lehrpreis, den das Plan-II-Honors-Programm 1990 stiftete und ihm bei seinem Ausscheiden selbst verlieh, trägt heute seinen Namen. Sein zweiter Roman, "Shadows in the Sun" von 1954, war sein erster für Erwachsene und blieb zeitlebens sein eigener Liebling. Der Anthropologe Paul Ellery forscht zwei Monate lang in Jefferson Springs, einer Kleinstadt in Texas, und bemerkt allmählich, dass etwas nicht stimmt: Von den sechstausend Einwohnern lebt keiner länger als fünfzehn Jahre dort, und wer wegzieht, wird durch Zugezogene ersetzt. Im zweiten Kapitel beobachtet Ellery nachts ein Landeboot, das neue Bewohner an einer Ranch am Ortsrand absetzt. Sein Werk gilt als anthropologische Science-Fiction, weil er die Einsichten seines Fachs in die Erzählungen trug; wiederkehrend sind das Leben der Ureinwohner Nordamerikas, der Südwesten der Vereinigten Staaten und das Verhältnis des Menschen zum Land. Dazu zählen "Mists of Dawn" (1952), "The Winds of Time" (1957), "Unearthly Neighbors" (1960), "The Shores of Another Sea" (1971) und "Giants in the Dust" (1976), dazu Western wie "The Wolf is My Brother" (1967) und "Broken Eagle" (1989), für den er den Western Heritage Award bekam. Er gehörte zu den Gründern des Turkey City Writer's Workshop und war ein leidenschaftlicher Fliegenfischer. Oliver starb am 9. August 1993 in Austin.

Geboren
30. März 1928
Gestorben
9. August 1993
Nationalität
Vereinigte Staaten

Bücher