Charles Baudelaire

Sein Buch, schrieb Charles Baudelaire an seine Mutter, als "Les Fleurs du Mal" (1857, "Die Blumen des Bösen") Empörung auslöste, sei in eine kalte, finstere Schönheit gekleidet und mit Wut und Geduld geschaffen; den Beweis seines Wertes liefere alles Schlechte, das man darüber sage. Aus Angst vor dem Entsetzen, das er auslösen würde, habe er schon ein Drittel aus den Fahnen gestrichen. Geboren am 9. April 1821 in Paris, legte er 1839 das Abitur ab und schrieb sich für Jura ein; statt der Diplomatenlaufbahn, die sich die Eltern wünschten, wählte er die Literatur. Um ihn von seinem Lebenswandel abzubringen, schickte ihn der Stiefvater 1841 auf eine Schiffsreise nach Indien. Baudelaire kam nur bis Mauritius und La Réunion, doch die Eindrücke von Meer und tropischer Natur gingen in seine Gedichte ein. Anerkennung fand er zuerst als Kunstkritiker: Sein "Salon de 1845" erregte mit seiner Kühnheit Aufsehen, und in den Salons trat er für Eugène Delacroix ein. 1847 erschien die Novelle "La Fanfarlo". 1848 beteiligte er sich an der Revolution und schrieb für eine revolutionäre Zeitung; nach dem Staatsstreich von 1851 zog er sich auf die Literatur zurück. In Edgar Allan Poe fand er nach eigenen Worten Erzählungen, die lange in seinem Kopf existiert hatten, ohne Gestalt anzunehmen. 1856 erschienen seine Übersetzungen als "Histoires extraordinaires" mit einem Vorwort, das Poe in Frankreich bekannt machte. Die "Fleurs du Mal" umfassten hundert Gedichte und holten, wenn auch sparsam, die düstere Welt der Großstadt in die Lyrik. Sechs davon brachten Baudelaire und seinem Verleger Auguste Poulet-Malassis einen Prozess wegen Beleidigung der öffentlichen Moral ein; sie wurden verurteilt, und die sechs Gedichte fehlten in der erweiterten zweiten Auflage von 1861. Erst 1949 hob Frankreich das Urteil auf. Seine Prosagedichte, postum 1869 gesammelt, begründeten eine neue Gattung, das poème en prose. 1860 begeisterte er sich für Richard Wagner und schrieb eine längere Studie über ihn und den "Tannhäuser". 1864 ging er nach Brüssel, um Vorträge zu halten, wurde dort schwer krank und starb am 31. August 1867 in Paris. Den wenigen Zeitgenossen, die ihn kannten, war er vor allem Kunstkritiker und Übersetzer Poes. Den Symbolisten um Verlaine, Mallarmé und Rimbaud galt er als epochemachendes Vorbild, Rimbaud nannte ihn den König der Dichter, und T. S. Eliot sagte 1948, er habe seine Kunst unter der Ägide Baudelaires gelernt. Die erste deutsche Übertragung der "Fleurs du Mal" stammt von Stefan George.

Geboren
9. April 1821
Gestorben
31. August 1867
Nationalität
Frankreich

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