Christian Kracht
Seine Bücher, sagt Christian Kracht, seien nur "light entertainment". Dahinter steht ein Anspruch, den er selbst so fasst: "Das höchste Erreichbare in der Kultur ist nach der Architektur die Komödie. Ich begreife meine Werke humoristisch." Geboren am 29. Dezember 1966 in Saanen im Kanton Bern, wuchs er in der Schweiz, in Deutschland, den USA, Kanada und Südfrankreich auf und besuchte internationale Internate, darunter die Schule Schloss Salem. 1989 schloss er sein Studium am Sarah Lawrence College ab. Mitte der 1990er Jahre ging er als Indien-Korrespondent des Spiegel nach Neu-Delhi, danach lebte er in Bangkok; seine Reiseberichte aus Asien erschienen zuerst in der Welt am Sonntag und 2000 als "Der gelbe Bleistift". Sein Debüt "Faserland" (1995) über Konsumkultur und Identitätskrisen gilt manchen Kritikern als Schlüsselwerk der deutschsprachigen Popliteratur; Kracht selbst stand dem Etikett distanziert gegenüber und lehnte den Abdruck seiner Texte in einer Anthologie zum Thema ab. "1979" (2001) spielt im Iran der Revolution und erschien in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Anschlägen vom 11. September, was ihm zusätzliche Beachtung verschaffte. Von 2004 bis 2006 gab er mit Eckhart Nickel in Kathmandu und später in San Francisco acht Ausgaben der Zeitschrift Der Freund heraus. "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" (2008) entwirft eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts: Lenin ist nie aus der Schweiz nach Russland zurückgekehrt, sondern hat eine Schweizer Sowjetrepublik gegründet, die im Dauerkrieg liegt, und ein schwarzer politischer Kommissar reist ins Réduit, um einen abtrünnigen Offizier zu verhaften. Eine Inspiration war Philip K. Dicks "Das Orakel vom Berge"; der Roman erhielt 2009 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. Es folgten "Imperium" (2012) über den Aussteiger August Engelhardt in der Kolonie Deutsch-Neuguinea, für das er den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis erhielt, "Die Toten" (2016), ausgezeichnet mit dem Schweizer Buchpreis, und "Eurotrash" (2021), in dem sich ein Ich-Erzähler namens Christian Kracht mit seiner Familiengeschichte auseinandersetzt; das Buch stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde an der Berliner Schaubühne uraufgeführt. Mit der Regisseurin Frauke Finsterwalder schrieb er die Drehbücher zu "Finsterworld" (2013) und "Sisi & Ich" (2023). 2019 übergab er sein Archiv dem Marbacher Literaturarchiv. Zuletzt erschien 2025 "Air", in dem ein Schweizer Inneneinrichter in ein norwegisches Rechenzentrum gelockt wird; der Roman war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
- Geboren
- 29. Dezember 1966