Christopher Priest

Als Christopher Nolan 2006 "The Prestige" verfilmte, mit Christian Bale und Hugh Jackman, durfte die amerikanische Buchausgabe zum Film kein einziges Bild daraus zeigen; Nolan soll so darauf bedacht gewesen sein, die Auflösung als Überraschung zu erhalten. Der Roman war elf Jahre zuvor erschienen und hatte seinem Verfasser den World Fantasy Award eingetragen; auf Deutsch heißt er "Das Kabinett des Magiers". Geboren wurde Christopher Priest am 14. Juli 1943 in Cheadle in Cheshire. Er verließ die Schule mit sechzehn und verdiente sein Geld neun Jahre lang in Büros, als Buchhaltungs- und Revisionsgehilfe, bei einer Grußkartenfirma und einem Versandbuchhändler; 1968 gab er das auf und wurde freier Schriftsteller. Seine erste Erzählung, "The Run", war im Mai 1966 im Magazin Impulse erschienen, sein erster Roman, "Indoctrinaire", folgte 1970. Die Ferien seiner Kindheit verbrachte er in Dorset und erkundete dort den vorgeschichtlichen Ringwall Maiden Castle bei Dorchester. Jahrzehnte später wurde daraus der Schauplatz von "A Dream of Wessex". Dieser Roman von 1977 stellte zum ersten Mal die Frage, die von da an alle seine Bücher bestimmte: wie verlässlich das ist, was jemand für wirklich hält, und was die Erinnerung daraus macht. "Inverted World" von 1974 hatte noch eine andere Bauart, eine Stadt, die in Bewegung bleiben muss wie ein riesiger Eisenbahnzug, weil sich die physikalischen Konstanten in ihrer Umgebung ständig ändern; auf Deutsch trägt sie den Titel "Der Steile Horizont". Über seine Wendungen sagte Priest 1995 einem Interviewer, seine Schockmomente beruhten auf einer plötzlichen, vernichtenden Umkehr dessen, was der Leser wisse oder glaube. Viermal bekam er den Preis der British Science Fiction Association für den besten Roman, für "Inverted World", "The Extremes", "The Separation" und "The Islanders"; für "The Separation" zusätzlich den Arthur C. Clarke Award. 1983 zählte ihn die Zeitschrift Granta zu den besten jungen britischen Romanautoren, 2006 wurde er Vizepräsident der internationalen H. G. Wells Society. Romanfassungen von Filmen schrieb Priest unter anderem zu "eXistenZ", "Mona Lisa" und "Short Circuit", die letzten beiden unter den Namen John Luther Novak und Colin Wedgelock. Zwei Aufträge für "Doctor Who" endeten dagegen im Streit: Beide Geschichten wurden wegen Schwierigkeiten mit dem Drehbuch fallengelassen, und Priest erhielt nicht nur sein Honorar, sondern auch ein Entschuldigungsschreiben des Produzenten und des Skriptredakteurs. Ab 2002 schrieb er für den Guardian, meist Nachrufe auf Kollegen: Robert Sheckley, Stanisław Lem, Jack Williamson, Diana Wynne Jones, John Christopher. Priest starb am 2. Februar 2024 im Alter von achtzig Jahren auf der Isle of Bute, wo er zuletzt gelebt hatte. Ein Sachbuch über J. G. Ballard, dessen Werk sein eigenes stark geprägt hatte, war zu diesem Zeitpunkt fast fertig: siebzigtausend Wörter lagen geschrieben vor.

Geboren
14. Juli 1943
Gestorben
2. Februar 2024
Nationalität
Vereinigtes Königreich

Bücher