Cormac McCarthy

Bis 1991 war keiner der Romane von Cormac McCarthy über 5000 gebundene Exemplare hinausgekommen. Dann gewann „All the Pretty Horses“ (1992, deutsch „All die schönen Pferde“) den National Book Award und den National Book Critics Circle Award, und in sechs Monaten wurden 190.000 Exemplare verkauft. McCarthy wurde am 20. Juli 1933 als Charles Joseph McCarthy Jr. in Providence geboren und wuchs ab 1937 in Knoxville, Tennessee, auf. 1951 begann er an der University of Tennessee zu studieren, ging 1953 zur Air Force und las in Alaska, wo er stationiert war, nach eigener Aussage zum ersten Mal Bücher in großer Zahl. Nach der Rückkehr an die Universität 1957 veröffentlichte er zwei Erzählungen in der Studentenzeitschrift The Phoenix und erhielt dafür 1959 und 1960 den Ingram-Merrill-Preis. Er verließ die Universität ohne Abschluss und schickte sein erstes Manuskript an Random House, weil es, wie er sagte, der einzige Verlag war, von dem er gehört hatte. „The Orchard Keeper“ (1965, deutsch „Der Feldhüter“) betreute dort Albert Erskine, zuvor Lektor von William Faulkner, und der Roman erhielt 1966 den Preis der William Faulkner Foundation für ein Romandebüt. Mit Stipendien reiste McCarthy durch Südeuropa und schrieb auf Ibiza „Outer Dark“ (1968, deutsch „Draußen im Dunkel“). 1981 erhielt er ein MacArthur-Stipendium über 236.000 Dollar, mit dem er für „Blood Meridian“ (1985, deutsch „Die Abendröte im Westen“) durch den Südwesten der USA reiste. Das Buch wurde zunächst verhalten aufgenommen; 2006 kam es bei einer Umfrage des New York Times Magazine nach dem besten amerikanischen Roman der vergangenen 25 Jahre auf den dritten Platz, hinter Romanen von Toni Morrison und Don DeLillo. „No Country for Old Men“ (2005, deutsch „Kein Land für alte Männer“) war zuerst als Drehbuch gedacht, die Verfilmung der Brüder Coen von 2007 gewann vier Oscars. Den Anstoß zu „The Road“ (2006, deutsch „Die Straße“) gab eine Nacht in einem Motel in El Paso: Er stellte sich vor, wie die Stadt in fünfzig oder hundert Jahren aussehen könnte, und schrieb zwei Seiten dazu; vier Jahre später baute er die Idee in Irland zum Roman aus. 2007 erhielt er dafür den Pulitzer-Preis und nannte im selben Jahr in seinem ersten Fernsehinterview, bei Oprah Winfrey, seinen Sohn als Anregung des Buchs. Am Santa Fe Institute, einem Forschungszentrum, veröffentlichte er 2017 mit dem Essay „The Kekulé Problem“ über das Unbewusste und den Ursprung der Sprache seinen ersten Sachtext. 2022 erschienen „The Passenger“ (deutsch „Der Passagier“) und „Stella Maris“. McCarthy starb am 13. Juni 2023 in Santa Fe.

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