Daniel Kehlmann
Rund 2,3 Millionen Exemplare hat Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" (2005) allein im deutschsprachigen Raum verkauft, und auf einer Liste der New York Times mit den international bestverkauften Büchern des Jahres 2006 stand er auf Platz zwei. Er erzählt, um zahlreiche Erfindungen angereichert und größtenteils in indirekter Rede, die Lebensgeschichten Alexander von Humboldts und Carl Friedrich Gauß'; 2012 verfilmte Detlev Buck den Roman, mit Kehlmann als Drehbuchautor und Erzähler. Geboren am 13. Januar 1975 in München, zog er 1981 mit seiner Familie nach Wien. Dort studierte er Philosophie und Germanistik und schloss mit einer Diplomarbeit über Friedrich Schillers Theorie der Entfremdung ab; eine Dissertation über das Erhabene bei Immanuel Kant brach er nach ersten schriftstellerischen Erfolgen ab. Seine Faszination für die Zauberkunst verarbeitete er im Roman "Beerholms Vorstellung" (1997), in dem ein Bühnenmagier plötzlich glaubt, wirklich zaubern zu können. In "Mahlers Zeit" (1999) meint ein junger Wissenschaftler, eine Formel gefunden zu haben, mit der sich die Zeit aufheben lässt. Literaturwissenschaftler nannten ihn einen magischen Realisten, in einer Reihe mit Alfred Kubin, Leo Perutz und Gabriel García Márquez; er selbst schrieb 2011, von keinem Schriftsteller habe er mehr gelernt als von E. L. Doctorow. Den internationalen Durchbruch brachte 2003 sein fünftes Buch, "Ich und Kaminski". Nach der "Vermessung" erreichten alle seine Romane Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste, darunter "Ruhm" (2009) und "Tyll" (2017), eine erfundene Lebensgeschichte Till Eulenspiegels vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges, die sich allein auf Deutsch mehr als 600.000-mal verkaufte und 2020 auf der Shortlist des International Booker Prize stand. Für die Bühne schrieb er "Geister in Princeton" über den Mathematiker Kurt Gödel, 2012 mit dem Autorenpreis des Nestroy-Theaterpreises ausgezeichnet, und "Der Mentor", der 2017 in Christopher Hamptons Übersetzung ins Londoner West End kam. Dazu kamen Drehbücher, etwa zur Serie "Kafka" (2024). 2014 hielt er die Frankfurter Poetik-Vorlesungen "Kommt, Geister", die er mit der Verdrängung des Nationalsozialismus in der jungen Bundesrepublik eröffnete; seit 2015 hat er den Eberhard-Berent-Lehrstuhl an der New York University inne. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Kleist-Preis 2006 und der Thomas-Mann-Preis 2008. Um den Regisseur Georg Wilhelm Pabst im Dritten Reich geht es in "Lichtspiel" (2023); die englische Übersetzung "The Director" kam 2026 auf die Shortlist des International Booker Prize.
- Geboren
- 13. Januar 1975