David Lindsay

Zu Lebzeiten wurde David Lindsay kaum gelesen, heute gehören seine Romane zu den Standardwerken der klassischen Science-Fiction und Fantasy. Von "A Voyage to Arcturus" (1920, deutsch "Die Reise zum Arcturus") verkauften sich beim Erscheinen nur wenige hundert Exemplare, doch das Buch hatte zentralen Einfluss auf "Out of the Silent Planet" von C. S. Lewis, und J. R. R. Tolkien sagte, er habe es begierig gelesen, und nannte es ein Werk der Philosophie, der Religion und der Moral. Lindsay wurde 1876 in London in eine schottische Familie geboren und wuchs zum Teil in Jedburgh auf. Er besuchte die Colfe's School in Lewisham und gewann ein Stipendium für die Universität, konnte aus Geldgründen aber nicht studieren und arbeitete ab 1898 als Angestellter bei Lloyd's in London. In seiner Freizeit lernte er Deutsch, um Nietzsche und Schopenhauer im Original zu lesen. Beruflich war er so erfolgreich, dass man ihm einen Direktorenposten anbot, doch der Erste Weltkrieg kam dazwischen: Er diente bei den Grenadier Guards und im Royal Army Pay Corps und verließ England während der Dienstzeit nie. Nach dem Krieg zog er nach Cornwall und wurde freier Schriftsteller. "A Voyage to Arcturus" musste er um 15.000 Wörter kürzen, um es gedruckt zu sehen. Mit dem zweiten Roman, "The Haunted Woman" (1922, deutsch "Fenster ins Frühlicht"), versuchte er ein gängigeres Buch; es wurde zunächst abgelehnt, erschien um 20.000 Wörter gekürzt als Fortsetzungsroman in den "Daily News" und erst danach als Buch, mit kaum mehr Erfolg. Es folgten "Sphinx" (1923) und ein humorvoller Roman aus dem Frankreich Ludwigs XIV. Nach "Devil's Tor" (1932), seiner letzten Veröffentlichung zu Lebzeiten, von der sich 650 Exemplare verkauften, fand er immer schwerer einen Verlag und verbrachte viel Zeit mit "The Witch", das unvollendet blieb. Lindsay starb 1945 in Hove. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwachte das Interesse an Lindsay: "A Voyage to Arcturus" erschien 1946 und 1963 neu, 1963 erstmals in den USA und 1968 als Taschenbuch; 1976 kamen "The Violet Apple" und "The Witch" heraus. 1971 verfilmte William J. Holloway den Roman; es war der erste Film, der mit einem Zuschuss des National Endowment for the Arts entstand. Gary K. Wolfe deutete 1982 "Muspel", die mystische Gegenwelt des Buches, von Nietzsche und Schopenhauer her und untersuchte, welche Rolle Beethovens Siebte Sinfonie für "The Haunted Woman" spielt. Harold Bloom schrieb mit "The Flight to Lucifer" einen Roman als Hommage und tiefe Umschrift von "A Voyage to Arcturus" und räumte ein, dass Lindsays Original seine Nachahmung überragt.

Geboren
3. März 1876
Gestorben
16. Juli 1945
Nationalität
Vereinigtes Königreich

Bücher