David R. Bunch
David R. Bunch schrieb viel und wurde von der Kritik gelobt, blieb aber zeit seines Schaffens ein Unbekannter; wenn man ihn kannte, dann für die Geschichten aus Moderan, einer Erde der fernen Zukunft, die ganz mit grauem Kunststoff überzogen ist und von ständig verfeindeten Cyborg-Festungen beherrscht wird. Zusammen ergeben sie eine Satire auf die Besessenheit der Menschen von Gewalt und Kontrolle. Bunch kam am 7. August 1925 auf einer Farm bei Lowry City in Missouri zur Welt und leistete von 1942 bis 1945 Kriegsdienst in der US-Luftwaffe. Nach einem Master in Englisch an der Washington University in St. Louis besuchte er zwei Jahre den Iowa Writers' Workshop. Er arbeitete viel auf Farmen und in einfachen Stellen, später lange als Kartograf und Kartenredakteur in St. Louis, bis er 1973 ausschied, um frei zu schreiben. Nach Judith Merril, die sich lange für ihn einsetzte, hatte er schon mehr als 200 Geschichten und Gedichte veröffentlicht, als er im Dezember 1957 mit "Routine Emergency" in If seine erste Science-Fiction-Erzählung an ein professionelles Magazin verkaufte. Bis 1997 folgten mindestens hundert Geschichten in Science-Fiction-Magazinen und fast ebenso viele in Literaturzeitschriften, beinahe ausschließlich in kleinen Blättern und Fanzines. Viel von seiner Bekanntheit verdankte er Harlan Ellisons Anthologie "Dangerous Visions" (1967), die seinen Ruf als Stimme der New Wave begründete: Als einziger der 32 Autoren war er mit zwei Geschichten vertreten, "Incident in Moderan" und "The Escaping". Sechsundvierzig Moderan-Geschichten erschienen 1971 in dem Band "Moderan", verbunden durch eine verschachtelte Rahmenhandlung; auf Deutsch kam er 1974 als "Festung Zehn: Moderan" bei Fischer Orbit heraus. Seine allegorischen Vignetten nahmen einige Motive des Cyberpunk vorweg und fanden großes Lob bei der Kritik, überforderten aber oft die Leserschaft. Für Brian W. Aldiss war "Moderan" "ein einzigartiges Buch auf dem Gebiet der Science Fiction", und in einer Umfrage der Science Fiction Studies von 1993 nach zu Unrecht vergessenen Autoren und Büchern gehörte es zu den beiden meistgenannten Titeln. Seine zweite Sammlung, "Bunch!" (1993), war für den Philip K. Dick Award nominiert, daneben erschienen Gedichtbände wie "We Have a Nervous Job" (1983). Er starb am 29. Mai 2000 in St. Louis; 2018 brachte New York Review Books Classics eine erweiterte Ausgabe von "Moderan" heraus. Michael K. Iwoleit zählte ihn zu den eigenwilligen, brillanten Autoren, die nie die ihnen gebührende Anerkennung fanden, neben Avram Davidson und R. A. Lafferty.
- Geboren
- 1925-08-07
- Gestorben
- 2000-05-29
- Nationalität
- Vereinigte Staaten