Dieter Hasselblatt
Bevor Dieter Hasselblatt 1963 die Hörspielredaktion des Deutschlandfunks in Köln übernahm, versuchte er sich nach einer Doktorarbeit über Franz Kafka als Waldarbeiter, Hausierer, Internatslehrer und Tierpflegepraktikant bei Bernhard Grzimek im Frankfurter Zoo. Hasselblatt kam 1926 in Reval in Estland als Sohn eines Bankangestellten zur Welt und besuchte dort die deutsche Ritter- und Domschule. Am 9. November 1939 wurde die Familie nach Polen und dann nach Deutschland umgesiedelt. Er war Luftwaffenhelfer und Bordfunker, geriet 1944 in Gefangenschaft und kehrte 1948 zurück. 1949 holte er das Abitur nach und studierte in Marburg und Freiburg unter anderem Kunstgeschichte des Mittelalters, Philosophie, Germanistik und Märchenforschung. 1959 wurde er in Freiburg promoviert, die Kafka-Studie erschien 1964 als "Zauber und Logik". Weil der Deutschlandfunk keine eigenen Hörspiele produzierte, sondern die anderer Sender übernahm, legte Hasselblatt ein Archiv der ARD-Hörspiele mit Erstsendeterminen und Rezensionen an, das über Jahrzehnte weitergeführt wurde. Ab 1969 brachte er mit hundert Sendeplätzen für Science-Fiction-Hörspiele das Genre einem größeren Publikum nahe. Ab 1972 hatte er Lehraufträge in Bochum und München für Trivialkommunikation und Hörspieldramaturgie. 1974 wurde er Abteilungsleiter Hörspiel beim Bayerischen Rundfunk und arbeitete dort als Redakteur, Dramaturg und Regisseur. Er überredete Stanisław Lem, erstmals eigens für den Rundfunk zu schreiben, und führte 1976 Regie bei Lems "Professor Tarantogas Sprechstunde" und "Die Mondnacht". Er strahlte als Erster in Deutschland Orson Welles' Originalhörspiel "War of the Worlds" aus und erwarb die deutschen Senderechte an "The Hitch-Hiker's Guide to the Galaxy". Sein Sachbuch "Grüne Männchen vom Mars" (1974) brachte ihm 1975 den Preis des SFCD, 1988 folgten die Science-Fiction-Texte "Marija und das Tier", 1991 die Kindheitserinnerung "Am Glint beim Anku-Dranku". Er rezensierte Spiele und gehörte zur Gründungsjury des "Spiel des Jahres". Die Aufnahme in den P.E.N. 1977 empfand er selbst als die höchste Auszeichnung seines Lebens. 1986 erhielt er den Sonderpreis des Kurd-Laßwitz-Preises für seine Verdienste um das Science-Fiction-Hörspiel, 1990 den Preis für das beste Hörspiel für "Projekt Ichthanthropos gescheitert". 1987 ging er in den Ruhestand, betreute aber weiter zehn Hörspiele im Jahr für den Bayerischen Rundfunk. Hasselblatt starb 1997 in Neuwied. Sieben Jahre später erschien sein Roman "Aufklärung eines Modelle-Falls oder Modelle Delphin, Hiob, Säurebad".
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