Doron Rabinovici

Gesprochen wird der Name Rabinowitsch, nach der rumänischen Aussprache. Doron Rabinovici kam 1961 in Tel Aviv zur Welt, 1964 übersiedelte die Familie nach Wien, wo er seither lebt. Er studierte an der Universität Wien und promovierte 2000 als Historiker mit einer Arbeit über die Wiener jüdische Gemeindeleitung von 1938 bis 1945 und ihre Reaktion auf die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung. Die Studie erschien im selben Jahr im Jüdischen Verlag bei Suhrkamp als "Instanzen der Ohnmacht", 2011 bei Polity Books auf Englisch unter dem Titel "Eichmann's Jews". Als Erzähler war er da schon hervorgetreten: 1994 erschien die Kurzgeschichtensammlung "Papirnik", im selben Jahr erhielt er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb das 3sat-Stipendium. Sein erster Roman, "Suche nach M", in zwölf Episoden erzählt, handelt von der Nachwirkung der Vernichtung, und auch die folgenden Romane kreisen um Erinnerung, NS-Vergangenheit, Fremdheit, Migration, Rechtsextremismus in Österreich und jüdisches Leben in Wien: "Ohnehin", "Andernorts" (2010) und "Die Außerirdischen" (2017). Daneben schreibt er nichtfiktionale Texte zu Entwicklungen in Österreich, zur jüdischen Identität und zu poetologischen Fragen; Essays sammelte er etwa in "Credo und Credit" (2001). 1997 erhielt er den Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis, 2002 den Jean-Améry-Preis für Essayistik und den Clemens-Brentano-Preis. Für das Burgtheater konzipierte er 2013 und 2014 gemeinsam mit Matthias Hartmann die Zeitzeugenproduktion "Die letzten Zeugen" und stellte das Textbuch zusammen. Sie brachte die Erinnerungen von sieben Überlebenden auf die Hauptbühne, gestützt auf deren Bücher oder auf Gespräche mit ihnen, vier Schauspieler trugen die Texte vor. Die Produktion bezog sich auf die Novemberpogrome 1938 und wurde zum Berliner Theatertreffen 2014 eingeladen. 2018 folgte, nach einer Idee von Florian Klenk, die Textcollage "Alles kann passieren!", die mehrfach im Burgtheater gespielt wurde. Seit 2018 ist Rabinovici außerordentliches Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur. 2022 erschien sein Roman "Die Einstellung".

Geboren
2. Dezember 1961
Nationalität
Österreich

Bücher