Eric Koch
Mit fünfzig Jahren veröffentlichte Eric Koch seinen ersten Roman, "The French Kiss" (1969) über Charles de Gaulle und Quebec. Bis zu seinem Tod mit 98 schrieb er weiter, Satiren ebenso wie historische Romane. Geboren wurde er am 31. August 1919 in Frankfurt am Main, in einer assimilierten jüdischen Familie. 1935, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, kam er nach England, besuchte die Cranbrook School in Kent und begann in Cambridge zu studieren. In Kanada setzte er das Studium an der University of Toronto fort, schloss 1943 in Jura ab und finanzierte das Studium mit Artikeln für eine Enzyklopädie. Er unterrichtete zwei Trimester Französisch am Appleby College und schrieb für das Magazin Saturday Night. 1944 kam er zur deutschen Abteilung des neuen Internationalen Dienstes der Canadian Broadcasting Corporation, deren Sendungen von Montreal nach Deutschland zunächst zur psychologischen Kriegsführung Kanadas gehörten, später zur Erziehung der Deutschen zur Demokratie. Koch blieb 35 Jahre bei der CBC. Von 1953 bis 1967 arbeitete er in der Abteilung Talks and Public Affairs in Toronto, produzierte in den 1960er Jahren die Talkshow "Take 30", für die er Adrienne Clarkson als Reporterin holte, und leitete ab 1964 als Supervising Producer die Sendung "This Hour Has Seven Days", über die er später das Buch "Inside Seven Days" (1986) schrieb. Zu denen, die er einstellte, gehörten Barbara Amiel und David Suzuki; 1967 wurde er Bereichsleiter für Kunst und Wissenschaft, von 1971 bis 1977 war er Regionaldirektor in Montreal. 1979 verließ er die CBC, um zu schreiben und an der York University zu lehren, wo er 18 Jahre lang, bis in seine Achtziger, einen Kurs über die Politik des kanadischen Rundfunks gab. Viele Jahre saß er im Vorstand der Couchiching Conference. Seine Satiren "The Leisure Riots" (1973) und "The Last Thing You'd Want to Know" (1976) brachte Heyne auf Deutsch heraus und fasste sie 1987 als "C.R.U.P.P." in der Bibliothek der Science Fiction Literatur zusammen, 1988 folgte bei Heyne "Kassandrus". Seine historischen Romane spielen in der jüngeren deutschen Vergangenheit, vor allem vom späten 19. Jahrhundert bis in die Weimarer Republik, und erschienen in Deutschland wie in Kanada. Für "Hilmar and Odette" (1995, deutsch "Hilmar und Odette", 1998), die Geschichte zweier halbjüdischer Verwandter, die im Zweiten Weltkrieg in Deutschland blieben, erhielt er 1996 den Yad Vashem Prize for Holocaust Writing. Koch starb am 28. April 2018 in Toronto, an dem Tag, an dem sein letzter Roman, "Beethoven's Locket", vorgestellt wurde.
- Geboren
- 31. August 1919
- Gestorben
- 28. April 2018
- Nationalität
- Kanada