G. K. Chesterton

Rund achtzig Bücher, einige hundert Gedichte, etwa zweihundert Kurzgeschichten und viertausend Essays, die meisten davon Zeitungskolumnen: So viel schrieb Gilbert Keith Chesterton, geboren am 29. Mai 1874 in Kensington als Sohn eines Londoner Häusermaklers. Nach der St Paul's School besuchte er die Slade School of Art, um Illustrator zu werden, und hörte Literatur am University College London, ohne einen Abschluss zu machen. Bis 1902 arbeitete er für die Verlage George Redway und T. Fisher Unwin; in diese Zeit fällt seine erste journalistische Arbeit als freier Kunst- und Literaturkritiker. 1902 bekam er eine wöchentliche Kolumne in der Daily News, 1905 eine zweite in The Illustrated London News, für die er dreißig Jahre schrieb. Öffentlich debattierte er mit George Bernard Shaw, H. G. Wells, Bertrand Russell und Clarence Darrow. "The Napoleon of Notting Hill" (1904, deutsch "Der Held von Notting Hill") und "The Man Who Was Thursday" (1908, deutsch "Der Mann, der Donnerstag war") hob T. S. Eliot hervor: Mit dem ersten habe Chesterton eine hohe imaginative Stufe erreicht, mit dem zweiten eine höhere, und in beiden die Fantastik Stevensons ernsteren Zwecken zugeführt. Später folgten "The Flying Inn" (1914, "Das fliegende Wirtshaus") und "The Return of Don Quixote" (1927, "Don Quijotes Wiederkehr"). In der Bearbeitung von Carl Amery erschienen die vier Romane 1993 in zwei Doppelbänden. Seine bekannteste Figur ist der Priesterdetektiv Father Brown, der ab 1910 in 49 Kurzgeschichten auftritt; bei ihm stehen die innere Logik und die Motive des Täters im Vordergrund. Von 1930 bis 1936 war Chesterton erster Präsident des Detection Club. 1922 trat er in die katholische Kirche ein, und "The Everlasting Man" (1925) trug zur Bekehrung von C. S. Lewis bei. Seine Gegnerschaft zum Kapitalismus mündete in antisemitische Denkmuster. Sein erzählerisches Werk enthält seit dem frühen 20. Jahrhundert Karikaturen von Juden, und schon zu Lebzeiten wurde ihm Antisemitismus vorgeworfen; zugleich wandte er sich früh gegen Hitlers Herrschaft und die nationalsozialistische Rassenlehre. Der Bischof von Northampton, Peter Doyle, verfolgte eine Seligsprechung nicht weiter und nannte unter seinen Gründen neben dem fehlenden Muster persönlicher Spiritualität auch diese Vorwürfe. Chesterton starb am 14. Juni 1936 in Beaconsfield. Jorge Luis Borges nannte ihn als Einfluss auf sein Erzählen, Neil Gaiman sagte, "Der Held von Notting Hill" habe seinen Roman "Neverwhere" beeinflusst, und "Good Omens", das Gaiman mit Terry Pratchett schrieb, ist Chesterton gewidmet.

Geboren
29. Mai 1874
Gestorben
14. Juni 1936
Nationalität
Vereinigtes Königreich

Bücher