George Turner
Über sechzig war George Turner, als 1978 seine erste Science-Fiction-Erzählung und sein erster Science-Fiction-Roman erschienen. Als Romancier hatte er da bereits Erfolg gehabt: Für „The Cupboard Under the Stairs“ (1962) erhielt er den Miles Franklin Award. Turner wurde am 8. Oktober 1916 geboren, ging in Victoria zur Schule und diente im Zweiten Weltkrieg in der Australian Imperial Force. Danach arbeitete er unter anderem in der Arbeitsvermittlung und als Techniker in der Textilindustrie. Von 1959 bis 1967 veröffentlichte er fünf Romane; für „The Lame Dog Man“ (1967) erhielt er ein Stipendium des Commonwealth Literary Fund. Science-Fiction besprach er für die Melbourner Zeitung The Age, für die von John Bangsund herausgegebene Australian Science Fiction Review und Bruce Gillespies Fanmagazin SF Commentary. 1977 gab er „The View from the Edge“ heraus, Erzählungen aus einer Schreibwerkstatt in Melbourne, die er mit Vonda McIntyre und Christopher Priest leitete. „Beloved Son“ (1978), „Vaneglory“ (1981) und „Yesterday's Men“ (1983) spielen in derselben Zukunft, geplagt von den Folgen eines Atomkriegs, leichtfertiger Experimente mit genetisch veränderten Nutzpflanzen und von Seuchen durch mutierte Viren; „Vaneglory“ führte die Children of Time ein, eine geheime Gesellschaft fast unsterblicher Mutanten. Für „Beloved Son“ erhielt er 1979 den Ditmar Award. „The Sea and Summer“ (1987), in den USA 1988 als „Drowning Towers“, auf Deutsch 1991 bei Suhrkamp als „Sommer im Treibhaus“, gewann 1988 den Arthur C. Clarke Award und den Commonwealth Writers' Prize für die Region Südostasien und Südpazifik. Ein Historiker der Zukunft schreibt darin einen historischen Roman über ein Melbourne der nahen Zukunft, bedrängt von Klimawandel, Arbeitslosigkeit durch übermäßige Automatisierung, dem Zusammenbruch des Geldsystems und einer Gesellschaft, in der sich Eliten von den Armen abschotten. 2013 nahm Gollancz „The Sea and Summer“ als ersten australischen Roman in die Reihe SF Masterworks auf. In „Brain Child“ (1991), auf Deutsch „Das Menschenprojekt“, untersucht ein Journalist ein genetisches Experiment, aus dem Menschen mit überlegener Intelligenz hervorgingen; in „Genetic Soldier“ (1994) kehrt die Besatzung eines Raumschiffs zu einer Erde zurück, deren Bewohner sich in ihrer Abwesenheit ökologisch harmonischer entwickelt haben. Für „The Destiny Makers“ bekam er 1994 einen weiteren Ditmar Award. George Turner starb am 8. Juni 1997; für die Worldcon 1999 in Melbourne war er schon als Ehrengast benannt.