Gerhard Mensching

Holzkugeln auf den Fingern als Köpfe, Handschuhe als Kostüm: So wurden die Hände zu Puppen im "Taschentheater", das Gerhard Mensching 1958 gemeinsam mit seiner Frau Kathrin vorstellte; er ließ sie in einer eigens dafür erfundenen Kunstsprache parlieren. Für das Puppenspiel hatte er sich schon im Studium eingesetzt; 1957 führte er in Bonn erstmals ein Marionettenstück auf. Für das Taschentheater schrieb er bis 1990 zahlreiche Szenen, mit denen er im In- und Ausland auftrat. Geboren wurde Mensching am 11. Oktober 1932 in Riga, wo sein Vater Professor für Religionsgeschichte an der Staatsuniversität war. 1936 zog die Familie nach Bonn; dort besuchte er von 1939 bis 1942 die Volksschule und danach das Beethoven-Gymnasium. Von 1953 bis 1961 studierte er in Bonn und Berlin zunächst Germanistik, dann Rechtswissenschaft, später wieder Germanistik, Allgemeine Sprachwissenschaft und Vergleichende Religionswissenschaft, und wurde 1961 in Bonn mit einer Arbeit über "Das Groteske im modernen Drama" promoviert. Von 1963 bis 1965 war er Dozent an der Universität Münster, dann wechselte er an die Ruhr-Universität Bochum, wo er über zwanzig Jahre am Germanistischen Institut tätig war, anfangs als Dozent, später als Akademischer Oberrat. Zu seiner Lehre gehörten Übungen zum kreativen Schreiben, zum Theater und zum Puppenspiel, und er gab die Werke des mit ihm befreundeten Tankred Dorst heraus. Im Fernsehen wirkte er als Puppenspieler in Kindersendungen wie der Sendung mit der Maus und "Tim und der Löwe" mit, in der Serie "Lemmi und die Schmöker" spielte und sprach er den Bücherwurm Herrn Lehmann. Mit Gerd Ruge konzipierte er die Sendung "UNICEF hat Geburtstag". Von 1976 bis 1985 war er Präsident des Deutschen Bundes für Puppenspiel, von 1977 bis 1979 Vorstandsmitglied der UNIMA, und an der Studiobühne in Bochum spielte er Hauptrollen. Seinen ersten Roman, "Löwe in Aspik", veröffentlichte Mensching 1982 im Haffmans Verlag. Dort erschienen in den neun Jahren bis zu seinem Tod vier weitere Romane, darunter 1991 "Die abschaltbare Frau", und zwei Sammlungen von Erzählungen, postum der Sammelband "Komm rüber". Daneben schrieb er Hörspiele und vier Kinderbücher, die im Otto Maier Verlag in Ravensburg erschienen, unter ihnen die Gespensterfreund-Trilogie. 1989 erhielt er als Erster den Literaturpreis der Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn. Mensching starb in der Nacht zum 8. Januar 1992 in Bochum, mit 59 Jahren.

Geboren
11. Oktober 1932
Gestorben
8. Januar 1992
Nationalität
Deutschland

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