Gustav Meyrink

Bevor Gustav Meyrink Schriftsteller wurde, war er Bankier: 1889 gründete er in Prag mit einem Neffen des Dichters Christian Morgenstern ein Bank- und Wechslergeschäft, das er später allein führte. Nach dessen Bankrott 1902 kam er in Untersuchungshaft; das Betrugsverfahren endete mit einem Freispruch, die Laufbahn als Bankier aber war vorbei. Die Erfahrung der Haft ging in seinen bekanntesten Roman ein, "Der Golem". Geboren am 19. Januar 1868 in Wien als Gustav Meyer, lebte er nach Schuljahren in München und Hamburg zwanzig Jahre in Prag, das er in seinen Werken immer wieder schilderte. 1891 gründete er dort die theosophische Loge "Zum blauen Stern" mit; er studierte Theosophie, Kabbala, christliche Sophiologie und östliche Mystik und übte bis zu seinem Tod Yoga. Ab 1901 erschienen unter dem Namen Meyrink satirische Erzählungen im Münchner Simplicissimus, 1903 sein erstes Buch, "Der heiße Soldat und andere Geschichten". Im selben Jahr zog er nach Wien und übernahm die Redaktion der Satirezeitschrift Lieber Augustin. Um Geld zu verdienen, übersetzte er Charles Dickens, Rudyard Kipling und Lafcadio Hearn. "Des deutschen Spießers Wunderhorn" verspottete in vielen Geschichten Heer und Kirche; Karl Kraus beschrieb sein Werk als Verbindung von Buddhismus und Abneigung gegen die Infanterie. "Der Golem" erschien 1913 und 1914 in Fortsetzungen und 1915 als Buch. Der Edelsteinschneider Athanasius Pernath lebt darin im Prag seiner Zeit, und ob er seine Halluzinationen aufschreibt oder allmählich selbst zum Golem wird, bleibt dem Leser überlassen. Der Roman wurde ein großer Verkaufserfolg; mit "Das grüne Gesicht" (1916) und "Walpurgisnacht" (1917) zählte Meyrink neben Hanns Heinz Ewers und Karl Hans Strobl zu den drei maßgeblichen deutschsprachigen Autoren des Übernatürlichen. Gershom Scholem besuchte ihn 1921, um über den "Golem" zu sprechen, und charakterisierte ihn sechzig Jahre später als Schriftsteller, "der eine außerordentliche Begabung für antibürgerliche Satire mit einer nicht weniger ausgeprägten für mystische Marktschreierei verband". Es folgten "Der weiße Dominikaner" (1921) und "Der Engel vom westlichen Fenster" über den Magier John Dee. 1927 trat er zum Mahayana-Buddhismus über. Er starb am 4. Dezember 1932 in Starnberg. In der Zeit des Nationalsozialismus waren seine Bücher wie die der meisten deutschen und österreichischen Phantastiker verboten; später wurde er wiederentdeckt, 1976 widmete ihm die französische Zeitschrift L'Herne ein Sonderheft, und seine Werke liegen unter anderem auf Spanisch, Französisch, Russisch und Englisch vor.

Geboren
19. Januar 1868
Gestorben
4. Dezember 1932
Nationalität
Österreich

Bücher