Hanns Heinz Ewers

Von den Horrorromanen, für die Hanns Heinz Ewers heute vor allem bekannt ist, ist "Alraune" (1911) der bekannteste: eine Umdeutung des Frankenstein-Stoffs, in der aus dem Samen eines hingerichteten Mörders und einer Prostituierten eine junge Frau ohne Moral gezeugt wird. Verfilmt wurde das Buch unter anderem 1928 von Henrik Galeen mit Brigitte Helm und 1952 mit Hildegard Knef. Geboren am 3. November 1871 in Düsseldorf als Sohn eines Malers, schrieb Ewers mit siebzehn die ersten Gedichte, das erste auf Kaiser Friedrich III. Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin, Bonn und Genf und wurde 1898 in Leipzig promoviert, beschäftigte sich aber lieber mit Okkultismus und Hypnose; die Hypnose prägt am deutlichsten seinen ersten Roman "Der Zauberlehrling". 1901 holte ihn Ernst von Wolzogen an sein Kabarett Überbrettl. Vor dem Ersten Weltkrieg reiste er nach Mittel- und Südamerika, Indien und Australien, zum Teil mit freier Fahrt der Hapag, die er dafür in seinen Feuilletons lobte. Er gab die Reihe "Galerie der Phantasten" mit Texten von E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe und Alfred Kubin heraus. Für den Film, den er früh als Kunstform ernst nahm, schrieb er "Der Student von Prag" (1913), gedreht mit Paul Wegener und Stellan Rye; er gilt als erster Kunstfilm überhaupt. Den Krieg verbrachte er in den USA, warb dort mit Reden und Artikeln für das Reich und wurde nach dem Kriegseintritt der Amerikaner in Fort Oglethorpe interniert. Die amerikanischen Jahre verarbeitete er in "Vampir", dem dritten Roman um sein Alter Ego Frank Braun; 1922 folgte seine Vollendung von Schillers Romanfragment "Der Geisterseher", die schlecht aufgenommen wurde. In den letzten Jahren der Weimarer Republik wandte sich Ewers der NSDAP zu, trat ihr 1931 bei und schrieb den Roman "Horst Wessel" (1932) über den SA-Mann, den Goebbels zum Märtyrer aufbauen wollte. Die Partei war mit dem Buch unzufrieden, ihm fehlte die gewünschte antisemitische Hetze. Sein Gegner in der Partei war Alfred Rosenberg, dessen Kreis ihm die frühen Romane als unmoralisch vorhielt. 1934 kamen seine Werke bis auf eines auf eine Verbotsliste; durch Eingaben erreichte er die Aufhebung. Jüdischen Freunden besorgte er Ausreisevisa. Sein letztes Buch, "Die schönsten Hände der Welt", erschien kurz nach seinem Tod am 12. Juni 1943 in Berlin und enthielt zwei Satiren auf den Nationalsozialismus. Amerikanische Horrorautoren wie H. P. Lovecraft nannten ihn als Einfluss; wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten sind Nachkriegsausgaben seiner Werke oft schwer zu finden.

Geboren
3. November 1871
Gestorben
12. Juni 1943
Nationalität
Deutsches Reich

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