Hanns Kneifel
Michael Nagula zählte Hanns Kneifels "Das brennende Labyrinth" in der überarbeiteten Neuausgabe von 1989 zu den besten Unterhaltungsromanen, die die deutsche Nachkriegsliteratur in der Science-Fiction hervorgebracht habe. Reclams Science-fiction-Führer dagegen fand seine ersten Romane vielversprechend, die späteren aber unter dem Druck der Massenproduktion zusehends verflacht. Johannes Wilhelm Rudolf Kneifel kam am 11. Juli 1936 in Gleiwitz in Oberschlesien zur Welt, wuchs ab 1945 in Oberbayern auf und lebte von 1948 an in München. Er wurde Konditormeister, legte 1960 das Begabtenabitur ab und schloss 1965 ein Studium der Pädagogik mit dem Staatsexamen ab; danach war er Berufsschullehrer in Kitzingen, bis er sich entschloss, freier Schriftsteller zu werden. Debütiert hatte er da längst: 1956 erschien, angeregt vom Kinofilm "Endstation Mond", der Zukunftsroman "Uns riefen die Sterne", 1965 bei Moewig "Der Traum der Maschine", der 1994 bei Haffmans in überarbeiteter Neuausgabe erschien. 1965 erschien auch sein erstes Perry-Rhodan-Taschenbuch, drei Jahre später wurde er ins Team der Heftserie berufen. Bekannt wurde er vor allem mit 98 Perry-Rhodan-Folgen; von 2000 bis 2012 schrieb er noch einmal als Gastautor mit. Zur Fernsehserie "Raumpatrouille Orion" verfasste er die Buchreihe "Raumschiff Orion" (35 Bände, 1968 bis 1970), die teilweise auch in Schweden und Brasilien erschien. Er schrieb für die Fantasy-Heftserien "Dragon - Söhne von Atlantis" (1973 bis 1975) und "Mythor" (ab 1980), als Hivar Kelasker für die Horrorserie "Dämonenkiller" (1975/76) und ab 1987 als Sean Beaufort für "Seewölfe, Korsaren der Weltmeere"; ein weiteres Pseudonym war Alexander Carr. Hinzu kamen das Sachbuch "Menschen zum Mond" (1969) und mit Dieter Hasselblatt das Hörspiel "Sdayowy oder Unterstelltes Ereignis unzutreffend" (1974). In den 1980er Jahren war er Chefredakteur der Stadtzeitschrift Wir Münchener, ab den 1990er Jahren schrieb er historische Romane wie "Hatschepsut - Die Pharaonin" (1995) und "Ich, Francis Drake" (2005). Nagula las die Neuausgabe als Panoptikum möglichen Lebens in der Zukunft, stilistisch an Jack Vance orientiert. Reclam bemängelte an seinen mehr als 400 Heftromanen Standardfiguren und Handlungsarmut und beschrieb einen Weg von klassischen Versatzstücken wie Astronauten und Computern zu Serienfiguren wie Perry Rhodan und Atlan und zu mehr Fantasy. Kneifel starb am 7. März 2012 in München.
- Geboren
- 11. Juli 1936
- Gestorben
- 7. März 2012
- Nationalität
- Deutschland