Harald Martenstein
Als 2007 sein erster Roman erschien, hatte Harald Martenstein ein Vierteljahrhundert als Zeitungsredakteur und Kolumnist hinter sich. "Heimweg", eine Art deutscher Familienchronik der Nachkriegszeit, wurde im selben Jahr mit dem Corine-Debütpreis ausgezeichnet. Martenstein wurde 1953 in Mainz geboren, machte dort am Rabanus-Maurus-Gymnasium Abitur und studierte in Freiburg Geschichte und Romanistik. Seine ersten journalistischen Texte entstanden in Mainz rund um die Fastnacht. Von 1981 bis 1988 war er Redakteur der "Stuttgarter Zeitung", von 1988 bis 1997 beim "Tagesspiegel" in Berlin; nach kurzer Zeit als Leiter der Kulturredaktion der Münchner "Abendzeitung" kehrte er als leitender Redakteur zum "Tagesspiegel" zurück. Seit Anfang der 1990er Jahre schreibt er regelmäßig für "Geo", zunächst als Reporter, später vor allem als Essayist. Ab 2002 schrieb er eine Kolumne für die "Zeit", zuerst unter dem Titel "Lebenszeichen", ab 2007 im "Zeit-Magazin" unter seinem Namen. Eine überarbeitete Auswahl erschien 2004 als "Vom Leben gezeichnet", weitere Sammelbände folgten. Im selben Jahr erhielt er den Egon-Erwin-Kisch-Preis für eine Reportage über den Suhrkamp Verlag, 2008 den Henri-Nannen-Preis in der Kategorie Humor, 2012 den Theodor-Wolff-Preis. 2008 sorgte eine seiner Kolumnen dafür, dass die Altersfreigabe von Til Schweigers Film "Keinohrhasen" von 6 auf 12 Jahre angehoben wurde. Kai Sina sah 2011 in seinen Texten Übungen im Pluralismus ohne ideologische Verbissenheit. Der zweite Roman, "Gefühlte Nähe" (2010), erzählt in formaler Anlehnung an Schnitzlers "Reigen" von der erfolglosen Partnersuche einer jungen Frau, jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen ihrer 23 Liebhaber; in der Literaturkritik stieß er auf negatives Echo. 2015 folgte mit Tom Peuckert der alternativgeschichtliche Roman "Schwarzes Gold aus Warnemünde", 2021 der autofiktionale Roman "Wut". Von 2007 bis 2008 lief auf watchberlin.de seine Video-Kolumne "Martenstein!", 2008 und 2009 trat er mit Rainer Erlinger im Deutschen Theater Berlin in einer Moral-Show auf, in der das Publikum über Alltagsfragen abstimmte. Von Herbst 2007 bis Ende 2025 hatte er bei Radio Eins eine Radiokolumne, der sich 2013 der NDR anschloss; seit 2006 vermittelt er journalistisches Handwerk, vor allem die Kolumne, unter anderem an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Seit 2022 schreibt er eine Kolumne für die "Welt am Sonntag", seit 2026 eine werktägliche für "Bild". 2026 erhielt er den Deutschen Sprachpreis.
- Geboren
- 9. September 1953
- Nationalität
- Deutschland