Herbert Rosendorfer
Warum er trotz seines umfassenden künstlerischen Werks den Richterberuf nie aufgegeben habe, wurde Herbert Rosendorfer oft gefragt. "Eine zynische Ader hat dazu geführt, dass ich Jura studiert habe", antwortete er, und: "Ich würde vieles anders machen, aber Jura studieren würde ich wieder und Richter werden." Geboren wurde er am 19. Februar 1934 in Bozen. Von 1939 bis 1943 lebte er in München, dann bis 1948 in Kitzbühel. Nach dem Abitur verbrachte er ein Jahr an der Akademie der Bildenden Künste München und studierte ab 1954 Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität. 1967 wurde er Amtsrichter in München, ab 1993 war er Richter am Oberlandesgericht Naumburg. Seine Urteile trugen den ironischen Blick des Schriftstellers, und zwei erregten Aufsehen. Im einen stellte er fest, das Gericht habe noch nie erlebt, dass ein vernommener Fahrer eigenes Fehlverhalten eingeräumt hätte; das wäre ein Wunder, und "Wunder kommen aber in der Regel nur in Lourdes vor". Im anderen, zur fiktiven Mehrwertsteuer für ein nicht repariertes Fahrzeug, steht der Leitsatz "Zwei Fiktionen sind eine Fiktion zu viel", der die Diskussion darüber bis heute durchzieht. Geschrieben hatte er schon als Gymnasiast; die Erzählung "Die Glasglocke" entstand um 1953 und erschien erst 1965. Um diese Zeit ebnete ihm der Südtiroler Zeichner Paul Flora den Weg zum Diogenes Verlag, wo seine ersten Werke erschienen. Seine Texte gehören zum großen Teil der phantastischen Literatur an. In "Briefe in die chinesische Vergangenheit" (1983) sieht ein Chinese aus der Song-Dynastie, den eine Zeitreise nach München verschlagen hat, auf Bayern; die Idee verdankte Rosendorfer Montesquieus "Persischen Briefen". Der Roman verkaufte sich über eine Million Mal und wurde häufig übersetzt. Mit dem Pianisten Karl Betz erfand er den Komponisten Otto Jägermeier, der in Musiklexika Eingang fand. Für "Die goldenen Heiligen oder Columbus entdeckt Europa" (1992) erhielt er 1993 den Kurd-Laßwitz-Preis als bester Roman und den Deutschen Science-Fiction-Preis. "Die große Umwendung: Neue Briefe in die chinesische Vergangenheit" (1997) war 1998 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. 1990 ernannte ihn die Ludwig-Maximilians-Universität zum Honorarprofessor für Bayerische Literaturgeschichte. 2010 erhielt er die Corine für das Lebenswerk; Ministerpräsident Horst Seehofer ehrte ihn als Dichter mit hohem literarischem Anspruch, großem Unterhaltungswert und "einer feinen Ironie". Rosendorfer starb am 20. September 2012.
- Geboren
- 19. Februar 1934
- Gestorben
- 20. September 2012
- Nationalität
- Deutschland