Herbert W. Franke

Bevor Herbert W. Franke Romane schrieb, arbeitete er für die Presseabteilung von Siemens. Bis 1956 saß der promovierte Physiker in der Erlanger Niederlassung des Konzerns; freier Schriftsteller wurde er erst 1957. Geboren wurde er am 14. Mai 1927 in Wien, als Sohn eines Professors für Elektrotechnik an der Technischen Universität. 1942, mit fünfzehn Jahren, wurde er zum Kriegsdienst eingezogen: 1943 als Flakhelfer, dann in eine Telefonzentrale, danach zum Reichsarbeitsdienst, und am 24. Dezember 1944 musste er sich in einer Kaserne in Berlin-Gatow zur Wehrmacht melden. Nach dem Krieg studierte er in Wien Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie und wurde 1950 mit einer Arbeit über Elektronenoptik zum Doktor der theoretischen Physik promoviert. 1957 erschien "Kunst und Konstruktion". Mit diesem Sachbuch gehört Franke weltweit zu den ersten, die den Gedanken aufschrieben, ein Computer könne ein künstlerisches Medium sein. Sein erstes eigenes Buch war 1960 die Erzählungssammlung "Der grüne Komet", 1961 folgten die Romane "Das Gedankennetz" und "Der Orchideenkäfig", 1970 sein erfolgreichstes Buch "Zone Null". Was in seinen Büchern wiederkehrt, ist die Frage, was Wirklichkeit ist, und die Antwort bleibt offen. In "Das Gedankennetz" durchlebt eine vom Staat internierte Hauptfigur mehrere virtuelle Welten und kann am Ende nicht mehr unterscheiden, was Wirklichkeit war und was Manipulation; auch die Nebenfiguren geraten hinein, und zuletzt trägt die Ausgangslage des Romans dieselbe Unsicherheit. Nebenher blieb Franke Höhlenforscher und wurde Computerkünstler. Von 1972 bis 1979 war er zusammen mit Wolfgang Jeschke Science-Fiction-Lektor bei Heyne, von 1973 bis 1997 lehrte er an der Universität München kybernetische Ästhetik, 1979 gehörte er zu den Gründern der Ars Electronica in Linz. Arbeiten von ihm stehen im Centre Pompidou und im Victoria and Albert Museum; seine Sammlung früher Computerkunst kam 2007 an die Kunsthalle Bremen. 1990 erschien "Zentrum der Milchstraße", das ihm den Deutschen Science-Fiction-Preis für den besten Roman einbrachte, nach 1985 den zweiten. Die Zeit nannte ihn "den prominentesten deutsch schreibenden SF-Autor", die European Science Fiction Society gab ihm 2016 den Grand Master Award für sein Lebenswerk. Mit achtzig schrieb er für das Marionettentheater Bad Tölz das Stück "Der Kristallplanet": über Menschen, die ein Zentralstaat lenkt wie Marionetten. Er starb am 16. Juli 2022 mit 95 Jahren in Egling.

Geboren
14. Mai 1927
Gestorben
16. Juli 2022
Nationalität
Österreich

Bücher