Hervé Le Tellier

2013 erhielt Hervé Le Tellier den Grand Prix de l'humour noir Xavier-Forneret für die "Contes liquides", angeblich seine Übersetzung eines Jaime Montestrela aus dem Portugiesischen; den Autor hatte Le Tellier erfunden. Le Tellier wurde am 21. April 1957 in Paris geboren, studierte Mathematik und begann als Wissenschaftsjournalist. Er ist Sprachwissenschaftler, trat 1992 der Oulipo bei, dem Kreis von Autoren, die ihr Schreiben formalen Zwängen unterwerfen, und wurde ihr vierter Präsident. Ab den frühen 1990er Jahren veröffentlichte er rund dreißig Bücher, darunter Gedichtbände, erotische Geschichten und Romane, und arbeitete für Theater, Oper und Film. Zumeist schrieb er kleine Formen wie Novelle und Fabel, mit denen er experimentierte und die er zum großen Teil selbst entwickelte oder weiterentwickelte. Bekannt wurde er mit "Les amnésiques n'ont rien vécu d'inoubliable", tausend sehr kurzen Sätzen, die alle mit "Je pense que" beginnen, englisch "A Thousand Pearls (for a Thousand Pennies)"; in "Joconde jusqu'à cent" variierte er die Mona Lisa hundertfach. Sein Roman "Le voleur de nostalgie" (1992) ist eine Hommage an Italo Calvino, und als Freund von Jean-Bernard Pouy schrieb er mit "La disparition de Perek" (1997) einen Band der Krimireihe Le Poulpe. Ab 2002 schrieb er für die Website von "Le Monde" die tägliche satirische Kolumne "Papier de verre", im Radioquiz "Papous dans la tête" von France Culture wirkte er mit. Mit Frederic Pages und anderen gründete er die Vereinigung der Freunde des erfundenen Philosophen Jean-Baptiste Botul. 2006 folgte "Esthétique de l'Oulipo", ein sehr persönlicher Essay über Literatur unter Zwang aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Auf Deutsch erschienen, übersetzt von Jürgen und Romy Ritte, unter anderem "Assez parlé d'amour" (2009) als "Kein Wort mehr über Liebe" und "Moi et François Mitterrand" (2016) als "Ich und der Präsident", für die deutsche Ausgabe um Briefe an Mitterrands Nachfolger erweitert. Einen großen Erfolg hatte er mit "L'anomalie" (2020), deutsch "Die Anomalie": Ein Flugzeug aus Paris landet im Sommer 2021 zweimal im Abstand von drei Monaten mit denselben Insassen in New York. Der Roman gewann 2020 den Prix Goncourt, Le Tellier war das erste Mitglied der Oulipo mit diesem Preis. Bis Ende November 2020 verkaufte sich das Buch mehr als 25.000 Mal und stand mehrere Wochen unter den ersten zehn der Bestsellerliste für Belletristik. 2024 erschien bei Gallimard "Le nom sur le mur", 2026 erhielt er den Würth-Preis für Europäische Literatur.

Geboren
1957-04-21
Nationalität
Frankreich

Bücher