Hubert Selby

"Ich kann das Alphabet, vielleicht könnte ich Schriftsteller werden": So beschloss Hubert Selby Jr. zu schreiben, als er keine regelmäßige Arbeit aufnehmen konnte. Ermutigt hatte ihn Gilbert Sorrentino, ein Freund aus Kindertagen, der selbst Schriftsteller geworden war. Selby, 1928 in Brooklyn geboren, verließ mit 15 die Schule, arbeitete in den Docks und fuhr zur See, bis man ihn in Bremen krank von Bord nahm und heimschickte. 1958 begann er die Erzählung "The Queen Is Dead", an der er sechs Jahre arbeitete; tagsüber war er Büroangestellter, Schadensregulierer und freier Werbetexter, geschrieben wurde nachts. Um Grammatik und Zeichensetzung kümmerte er sich wenig, er schrieb oft schnell im Bewusstseinsstrom wie Jack Kerouac und setzte Schrägstriche statt Apostrophen, um auf der Schreibmaschine die Großschreibtaste nicht gedrückt halten zu müssen. 1961 erschien seine Erzählung "Tralala" in der Provincetown Review. LeRoi Jones, der spätere Amiri Baraka, riet ihm, sich an Kerouacs damaligen Agenten Sterling Lord zu wenden, und Selby fügte "Tralala", "The Queen Is Dead" und vier weitere lose verbundene Erzählungen zu seinem ersten Roman zusammen, "Last Exit to Brooklyn" (1964, deutsch "Letzte Ausfahrt Brooklyn"), den Grove Press verlegte. Allen Ginsberg nannte ihn "a rusty, hellish bombshell over America". Die britische Ausgabe brachten Marion Boyars und John Calder 1966 heraus; dort wurde es verboten, Autoren wie Anthony Burgess traten für das Buch ein, und 1968 hob ein Berufungsgericht das Urteil auf. 1971 folgte "The Room" (deutsch "Mauern"), das Selby "the most disturbing book ever written" nannte, dann "The Demon" (1976, deutsch "Der Dämon"), laut einem Buch von Julie Hecht das Lieblingsbuch des Komikers Andy Kaufman, und "Requiem for a Dream" (1978, deutsch "Requiem für einen Traum"). Ab 1983 lebte Selby ganz in Los Angeles und unterrichtete zwei Jahrzehnte lang kreatives Schreiben an der University of Southern California. In den 1980er Jahren lernte er Henry Rollins kennen, der sich öffentlich für seine Bücher einsetzte, Aufnahmen und Lesereisen für ihn organisierte und half, seine Leserschaft zu verbreitern. In beiden Verfilmungen spielte Selby selbst mit, 1989 als Taxifahrer in Uli Edels "Letzte Ausfahrt Brooklyn" und 2000 als Gefängniswärter in "Requiem for a Dream". David Bowie nannte 1972 zwei Romane, die ihn stark beeinflusst hätten: Kerouacs "On the Road" und "Last Exit to Brooklyn". "The Queen Is Dead" regte den Namen eines Albums der Smiths an, der Roman den von Stings erster Band Last Exit. Selby starb 2004 in Los Angeles.

Geboren
23. Juli 1928
Gestorben
26. April 2004
Nationalität
Vereinigte Staaten

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