Ilija Trojanow
Ilija Trojanow kam am 23. August 1965 in Sofia zur Welt. 1971 floh seine Familie aus Bulgarien in die Bundesrepublik Deutschland, 1972 zog sie weiter nach Kenia. Bis 1984 lebte er in Nairobi und besuchte die Deutsche Schule, unterbrochen von den Jahren 1977 bis 1981, in denen er in Deutschland auf das Staatliche Landschulheim Marquartstein ging. Nach einem Aufenthalt in Paris studierte er von 1985 bis 1989 in München Rechtswissenschaften und Ethnologie. Das Studium brach er ab und gründete 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, beide auf afrikanische Literatur spezialisiert. In den 1990er Jahren schrieb er Sachbücher und Reiseführer über Afrika, gab eine Anthologie afrikanischer Gegenwartsliteratur heraus und übersetzte afrikanische Autoren ins Deutsche, darunter Tsitsi Dangarembga und Chenjerai Hove. 1996 erschien sein erster Roman, "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall", in dem er die Erfahrungen seiner Familie als Flüchtlinge verarbeitete; 2007 wurde er verfilmt. Es folgte 1997 der Science-Fiction-Roman "Autopol", dessen Entstehung als "novel in progress" im Internet zu verfolgen war. 1999 zog Trojanow nach Mumbai und befasste sich in den folgenden Jahren eingehend mit Indien; es entstanden Bücher darüber und die Reportage "Zu den heiligen Quellen des Islam" (2004) über seine Pilgerreise nach Mekka. "Der Weltensammler" (2006) ist ein Roman über den britischen Kolonialbeamten und Reisenden Richard Francis Burton; einigen seiner Reisen folgte Trojanow an Orte im heutigen Indien, Saudi-Arabien und Tansania. Der Roman erhielt 2006 den Preis der Leipziger Buchmesse. Ab 2006 schrieb er im Wechsel mit anderen Autoren die wöchentliche taz-Kolumne "Das Schlagloch". 2007 war er Mainzer Stadtschreiber, hielt mit Feridun Zaimoglu die Tübinger Poetik-Dozentur und drehte einen Dokumentarfilm, den 3sat und das ZDF im selben Jahr zeigten. Ab 2008 gab er die Reihe "Weltlese. Lesereisen ins Unbekannte" mit unentdeckten Autorinnen und Autoren und vergessenen Texten heraus, 2009 veröffentlichte er mit Juli Zeh "Angriff auf die Freiheit". In "EisTau" (2011) machte er den Klimawandel und das Abschmelzen der Gletscher zum Thema; englisch erschien der Roman 2016 als "The Lamentations of Zeno". 2015 war er mit dem London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds Writer in Residence an der Queen Mary University of London, 2022 hielt er die Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele. "Tausend und ein Morgen" (2023) stand 2024 auf der Longlist des Phantastik-Preises der Stadt Wetzlar.
- Geboren
- 23. August 1965