James Patrick Kelly
Zwanzig Jahre lang stand in jeder Juni-Ausgabe von Asimov’s Science Fiction eine Geschichte von James Patrick Kelly, und für dasselbe Magazin schrieb er die Sachkolumne „On the Net“. Kelly wurde am 11. April 1951 in Mineola, New York, geboren und schloss 1972 an der University of Notre Dame ein Studium der englischen Literatur mit magna cum laude ab. Danach verfasste er bis 1977 hauptberuflich Angebotstexte. 1974 besuchte er zum ersten Mal den Clarion Workshop, 1975 verkaufte er seine erste Erzählung, 1976 ging er ein zweites Mal nach Clarion. Es folgten die Romane „Planet of Whispers“ (1984), „Freedom Beach“ (1985, mit John Kessel), „Look into the Sun“ (1989) und „Wildlife“ (1994). In den 1980er Jahren beteiligten sich Kelly und sein Freund Kessel an der Debatte zwischen Humanisten und Cyberpunks. Beide zählten zu den Humanisten, doch Kelly schrieb auch Geschichten nahe am Cyberpunk wie „The Prisoner of Chillon“ (deutsch „Der Gefangene von Chillon“) und „Rat“ (1986, deutsch „Ratte“), und Bruce Sterling nahm seine Erzählung „Solstice“ (1985) in die Anthologie „Mirrorshades“ auf, deutsch „Spiegelschatten“. Den Hugo Award erhielt er für „Think Like a Dinosaur“ (1995, deutsch „Denken wie ein Dinosaurier“) und für „10¹⁶ to 1“ (1999), den Nebula Award 2006 für „Burn“ (2005). Andere Geschichten gewannen den Leserpreis von Asimov’s und den SF Chronicle Award, und häufig stand er in der Endauswahl für den Nebula, den Locus Award und den Theodore Sturgeon Memorial Award. Kelly lehrte im Stonecoast-MFA-Programm für kreatives Schreiben der University of Southern Maine und unterrichtete bei Workshops wie Clarion und Sycamore Hill. 1998 wurde er Mitglied des New Hampshire State Council on the Arts, 2004 führte er dessen Vorsitz. Mit Kessel gab er bei Tachyon Anthologien heraus, darunter „Feeling Very Strange: The Slipstream Anthology“ (2006), „Rewired: The Post-Cyberpunk Anthology“ (2007) und „The Secret History of Science Fiction“ (2009); darin stehen Genreautoren neben Schriftstellern, die eher dem Mainstream zugerechnet werden, wie Don DeLillo, George Saunders, Michael Chabon und Steven Millhauser. 2021 erschien die Sammlung „The First Law of Thermodynamics“.