John Clute

6421 Einträge allein und 1219 gemeinsam mit anderen, zusammen mehr als 2,4 Millionen Wörter: So viel hatte John Clute bis zum 24. März 2017 zur „Encyclopedia of Science Fiction“ beigetragen, in jeder Zählung mehr als doppelt so viel wie David Langford, der Zweitfleißigste. Begründet hatte er das Lexikon 1979 mit Peter Nicholls. Clute wurde 1940 in Toronto geboren, wuchs in Kanada auf und lebte von 1956 bis 1964 in den Vereinigten Staaten, wo er 1962 an der New York University seinen Bachelor machte. Seine erste professionelle Veröffentlichung war 1959 ein langes Science-Fiction-Gedicht, „Carcajou Lament“, in der Zeitschrift TriQuarterly. 1960 war er Associate Editor von Collage, einem Magazin aus Chicago, das es auf zwei Ausgaben brachte und frühe Arbeiten von Harlan Ellison und R. A. Lafferty druckte. In New Worlds erschien 1966 seine erste Kurzgeschichte, „A Man Must Die“, und dort schrieb er Ende der 1960er Jahre auch seine ersten Rezensionen. Matthew Davis beschrieb diese Essays als typisch für die umstrittene New Wave, die sie begleiteten: gegenkulturell, bewusst stilisiert, mit intellektuellem Jargon. Ab 1969 lebte Clute in England, rezensierte unter anderem für den Observer, die Washington Post und das Times Literary Supplement und gehörte 1982 zu den acht Gründern der Zeitschrift Interzone. Für die Kritik im Genre forderte er ein „Protocol of Excessive Candour“: Kritiker dürften aus Freundschaft nicht schonen; die Wahrheit zu sagen sei eine Form der Liebe, auch zum Genre. Unter diesem Namen erschien ab 1997 seine Kolumne bei Science Fiction Weekly. Seine eigene Kritik nannte er im Lexikonartikel über sich trotz mancher kurios extravaganter Dunkelheiten im Kern praktisch. Mit John Grant gab er 1997 die „Encyclopedia of Fantasy“ heraus. Viermal gewann er den Hugo Award, für beide Lexika, für eine illustrierte Science-Fiction-Enzyklopädie und 2012 für die dritte Ausgabe der „Encyclopedia of Science Fiction“, die ab Oktober 2011 online erschien und seither stark erweitert wurde. 1994 erhielt er den Pilgrim Award der Science Fiction Research Association für sein Lebenswerk in der Science-Fiction-Forschung. Romane schrieb er zwei: nach „The Disinheriting Party“ 2001 „Appleseed“ (deutsch „Sternentanz“), für Paul Di Filippo eine „Space Opera für das 21. Jahrhundert“, die die New York Times unter ihre Notable Books 2002 wählte. 2014 war Clute Ehrengast der Loncon 3, des 72. Worldcon; 2024 erschien „The Book Blinders: Annals of Vandalism at the British Library“.

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