John Kessel
Sechsundzwanzig Jahre lagen zwischen John Kessels beiden Nebula Awards, der längste Abstand zwischen zwei Wettbewerbssiegen in der Geschichte des Preises. Den ersten erhielt er für die Erzählung „Another Orphan“ (1982), in der ein Börsenhändler der Gegenwart in der Welt von „Moby-Dick“ erwacht, den zweiten für „Pride and Prometheus“ (2008), das Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ mit Mary Shelleys „Frankenstein“ zusammenführt und 2009 auch den Shirley Jackson Award gewann. Kessel wurde am 24. September 1950 in Buffalo, New York, geboren. Er studierte Physik und Englisch an der University of Rochester, schloss dort 1972 mit dem Bachelor ab und wurde 1981 an der University of Kansas promoviert, wo er bei James Gunn lernte. Von 1979 bis 1982 arbeitete er als Redakteur für Werbung und Nachrichten beim Commodity News Service. Seit 1982 unterrichtet er an der North Carolina State University in Raleigh Literatur und Schreiben und war der erste Leiter ihres Studiengangs Master of Fine Arts in Creative Writing. Seine erste Science-Fiction-Erzählung „The Silver Man“ erschien 1978. Schon in „Herman Melville: Space Opera Virtuoso“ (1980) schreibt ein 1902 geborener Melville Space Operas für die Pulp-Magazine; in „Buffalo“ (1991) begegnet Kessels Vater 1932 H. G. Wells. Dafür bekam er 1992 den Theodore Sturgeon Memorial Award und den Locus Award. „Stories for Men“ (2002) teilte sich den James Tiptree Jr. Award mit M. John Harrisons Roman „Light“. Den ersten Roman, „Freedom Beach“ (1985), schrieb er mit James Patrick Kelly. „Good News from Outer Space“ (1989), auf Deutsch 1996 bei Heyne als „Gute Nachricht von den Sternen“, ist eine Satire, in der die USA 1999 im Millenniumsfieber die Wiederkunft Christi erwarten und ein Fernsehprediger für die Silvesternacht der Jahrtausendwende die Ankunft eines riesigen außerirdischen Raumschiffs prophezeit; das Buch war für den Nebula nominiert. Es folgten „Corrupting Dr. Nice“ (1997) und „The Moon and the Other“ (2017), 2018 erweiterte er „Pride and Prometheus“ zum Roman. Mit Kelly gab Kessel Anthologien heraus, darunter „Feeling Very Strange: The Slipstream Anthology“ (2006) und „Rewired: The Post-Cyberpunk Anthology“ (2007); mit Mark L. Van Name gründete er den Sycamore Hill Writer's Workshop. Die Encyclopedia of Science Fiction zählt ihn zu den notwendigsten Kritikern der Science-Fiction. Sein Stück „Faustfeathers“ erhielt 1994 den Paul Green Playwrights' Prize, 2007 adaptierte Sam Egan „A Clean Escape“ für die ABC-Reihe „Masters of Science Fiction“. 2024 erschien bei PM Press „The Presidential Papers“.