Karel Capek

Das Wort "Roboter", heute in vielen Sprachen gebraucht, steht zuerst in Karel Čapeks Schauspiel "R.U.R." (1920), doch erfunden hat er es nach eigener Angabe nicht: In einem Brief zur Herleitung im Oxford English Dictionary nannte er seinen Bruder, den Maler Josef Čapek, als Urheber. Er selbst hatte die Geschöpfe laboři nennen wollen, nach dem lateinischen labor; das Wort war ihm zu gekünstelt, und Josef schlug roboti vor, von robota, Fronarbeit. Geboren am 9. Januar 1890 in Malé Svatoňovice, wuchs Čapek in der ostböhmischen Kleinstadt Úpice auf. Das Gymnasium in Königgrätz musste er wegen eines geheimen Schülervereins verlassen, den er später eine "sehr unmörderische anarchistische Gesellschaft" nannte. Er studierte Philosophie in Prag, Berlin und Paris und wurde 1915 mit einer Arbeit über Ästhetik promoviert; in der Studienzeit beeinflusste ihn der amerikanische Pragmatismus. Ab 1917 schrieb er als Journalist für die Národní listy und wechselte, als ihn nach Kriegsende deren nationalistische Tendenzen störten, zu den Lidové noviny. Seinen ersten internationalen Erfolg hatte er mit "R.U.R.", einem Stück über eine Fabrik voller empfindungsfähiger Androiden, das 1923 in Großbritannien und den USA gespielt wurde. Ab 1925 traf sich meist bei ihm die Freitagsrunde der Pátečníci, zu der Präsident Tomáš Garrigue Masaryk gehörte; aus seinen Gesprächen mit ihm entstand "Hovory s T. G. Masarykem" (1928 bis 1935, deutsch "Gespräche mit Masaryk"). Viele seiner Bücher fragen nach den ethischen Folgen der Massenproduktion, der Massenvernichtungswaffen und der Begegnung mit anderen Intelligenzen: in "R.U.R." sind es Roboter, in "Válka s mloky" (1936, deutsch "Der Krieg mit den Molchen") Amphibien, in "Krakatit" ein Sprengstoff, der einer Atomwaffe gleicht. Ivan Klíma schrieb, dank Čapek sei das geschriebene Tschechisch der gesprochenen Sprache nähergekommen. In den 1930er Jahren warnte er zunehmend vor Nationalsozialismus und Faschismus; "Bílá nemoc" (1937, deutsch "Die weiße Krankheit") handelt vom Konflikt eines pazifistischen Arztes mit einem faschistischen Marschall. Die Gestapo führte ihn als Staatsfeind Nummer zwei. Er starb am 25. Dezember 1938 und erlebte die Zerschlagung der Tschechoslowakei nicht mehr. Das kommunistische Regime tat sich nach 1948 schwer mit dem siebenmal für den Nobelpreis nominierten Autor, weil er den Kommunismus nie als Alternative gelten ließ; ab 1954 erschienen seine Werke stark zensiert. Arthur Miller schrieb 1990, es habe keinen Schriftsteller wie ihn gegeben. Seit 1994 vergibt der tschechische PEN-Club den Karel-Čapek-Preis.

Geboren
9. Januar 1890
Gestorben
25. Dezember 1938

Bücher