Karin Boye

In Schweden gilt Karin Boye als Dichterin, im Ausland kennt man sie vor allem durch einen Roman: die Dystopie "Kallocain" (1940), in der ein Wissenschaftler ein Wahrheitsserum erfindet und die Freiheit des Einzelnen gegen den Kontrollanspruch des Staates steht. Boye, 1900 in Göteborg geboren, kam 1909 mit der Familie nach Stockholm, machte eine Ausbildung zur Lehrerin und studierte von 1921 bis 1926 in Uppsala. 1922 erschien ihr erster Gedichtband, "Moln". Beeinflusst von Schopenhauer, Nietzsche, Gustaf Fröding, Vilhelm Ekelund und Edith Södergran, verhandelten ihre Gedichte von Anfang an das Recht des Einzelnen auf Freiheit gegenüber dem Christentum, weiter ausgeführt in "Gömda land" (1924) und "Härdarna" (1927). Zu ihren bekanntesten Gedichten gehören "Ja visst gör det ont" und "I rörelse"; "För trädets skull" (1935) warf die zeitgenössische Kritik modernistische Dunkelheit vor, spätere Leser halten es weithin für ihren stärksten Band. 1931 gründete sie mit Erik Mesterton und Josef Riwkin die Lyrikzeitschrift "Spektrum", die T. S. Eliot und die Surrealisten in Schweden bekannt machte; mit Mesterton übertrug sie "The Waste Land" ins Schwedische, dazu unter anderem Thomas Manns "Zauberberg". Im selben Jahr wurde sie Mitglied von Samfundet De Nio. Ihr Roman "Astarte" (1931), eine Kritik der bürgerlichen Kultur, gewann einen nordischen Romanpreis; "Kris" (1934, deutsch "Krisis") verarbeitete ihre religiöse Krise und ihre Liebe zu Frauen. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit Übersetzungen, Erzählungen für Wochenblätter, Kritiken für Arbetaren und Social-Demokraten und von 1936 bis 1938 als Lehrerin in Viggbyholm. "Kallocain" entstand unter dem Eindruck eines Aufenthalts in Deutschland zur Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus, geschrieben in Alingsås, wo sie ab Juni 1940 elf Monate verbrachte, um sich um eine Freundin zu kümmern, in einer ihrer produktivsten Phasen. Der Roman wurde 1981 in Schweden verfilmt, war der wichtigste Einfluss auf den Film "Equilibrium" und wurde in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Boye starb im April 1941 in Alingsås; ihr unvollendeter Gedichtband "De sju dödssynderna" erschien noch im selben Jahr. Hjalmar Gullberg schrieb auf sie das Gedicht "Död amazon", Ebbe Linde "Död kamrat", und in Harry Martinsons "Aniara" (1956) ist sie das Vorbild der Figur Isagel. 1983 entstand eine literarische Gesellschaft für ihr Werk, 2004 wurde eine Zweigbibliothek der Universität Uppsala nach ihr benannt, und auf der Venus trägt ein Krater ihren Namen. Ins Deutsche übertrug Nelly Sachs als Erste eine Auswahl ihrer Gedichte.

Geboren
26. Oktober 1900
Gestorben
24. April 1941
Nationalität
Schweden

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