Kazuo Ishiguro
Kazuo Ishiguro wollte zuerst Songwriter werden: Nach dem Schulabschluss 1973 nahm er ein Jahr Auszeit, reiste durch die USA und Kanada, führte ein Tagebuch und schickte Demobänder an Plattenfirmen. Später sagte er, sein Stil als Romancier komme zu einem guten Teil aus dem Liedschreiben: aus der vertraulichen Ich-Stimme eines Sängers vor Publikum und aus der Aufgabe, Bedeutung behutsam zwischen die Zeilen zu schieben. Geboren wurde er am 8. November 1954 in Nagasaki. 1960, mit fünf Jahren, kam er mit seiner Familie nach Guildford in Surrey, wo sein Vater als Ozeanograph forschen sollte; aus dem geplanten Aufenthalt von ein bis zwei Jahren wurde der feste Wohnsitz der Familie. Japan besuchte er erst 1989 wieder. Das Japan seiner ersten beiden Romane nannte er ein imaginäres, ein Bild, das er sich in England im Kopf aufgebaut habe. Er studierte Englisch und Philosophie an der University of Kent, Abschluss 1978, und danach Kreatives Schreiben bei Malcolm Bradbury an der University of East Anglia, wo er 1980 den Master machte. Seine Abschlussarbeit wurde sein erster Roman, "A Pale View of Hills" (1982, deutsch "Damals in Nagasaki"). Für "An Artist of the Floating World" (1986, "Der Maler der fließenden Welt") erhielt er den Whitbread Prize, für "The Remains of the Day" (1989, "Was vom Tage übrig blieb"), den Roman eines alternden Butlers, den Booker Prize; in der Verfilmung von 1993 spielten Anthony Hopkins und Emma Thompson. Seine Ausflüge in die Genreliteratur folgen nicht deren Konventionen: "Never Let Me Go" (2005, deutsch "Alles, was wir geben mussten") erzählt von menschlichen Klonen als Organspendern und spielt in einer Parallelwelt der 1980er und 1990er Jahre; Time nannte ihn den besten Roman des Jahres. "Klara and the Sun" (2021, "Klara und die Sonne") ist aus der Sicht der künstlichen Freundin Klara erzählt und hat laut Ishiguro eine optimistischere Vision als "Never Let Me Go". 2017 erhielt er den Nobelpreis für Literatur; die Schwedische Akademie würdigte Romane von starker emotionaler Wirkung, die den Abgrund unter unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt aufdecken. Später wurde er in den Ritterstand erhoben. Für das Drehbuch zu "Living" (2022) nach Akira Kurosawas "Ikiru" war er für den Oscar nominiert. Seit 2007 schreibt er Liedtexte für die Jazzsängerin Stacey Kent, 2024 erschienen sechzehn davon als Buch, "The Summer We Crossed Europe in the Rain".
- Geboren
- 1954-11-08