Laila Lalami
Alle Kinderbücher, die Laila Lalami als Kind las, waren nach ihren Worten auf Französisch geschrieben. Namen, Häuser und Städte der Figuren hatten mit ihrem eigenen Leben nichts gemein und wurden ihr doch so vertraut, dass sie nie auf den Gedanken kam, sie stammten von einem fremden Ort. Auch ihre ersten eigenen Geschichten schrieb sie auf Französisch; zu Hause sprach die 1968 in Rabat Geborene marokkanisches Arabisch. Sie studierte Englisch an der Mohammed-V.-Universität in Rabat und erwarb mit einem Stipendium des British Council einen Master in Linguistik am University College London. Nach einer Zeit als Journalistin in Marokko ging sie 1992 nach Los Angeles und wurde an der University of Southern California in Linguistik promoviert. Studium und Erfahrung brachten sie dazu, über den Gebrauch von Französisch und Arabisch in Marokko nachzudenken; auf Englisch zu schreiben gab ihr nach eigener Aussage einen anderen Blick. 1996 begann sie, auf Englisch zu veröffentlichen; ihre Kritiken und Kommentare erschienen unter anderem im Boston Globe, in der Los Angeles Times, der New York Times und The Nation. Ihr erstes Buch, „Hope and Other Dangerous Pursuits“, folgt vier marokkanischen Migranten, die im Boot nach Spanien gelangen wollen, und erzählt von der Überfahrt aus zurück und voraus. „Secret Son“ (2009) spielt in den Slums von Casablanca und stand auf der Longlist des Orange Prize. „The Moor's Account“ (2014, deutsch „Der verbotene Bericht“) erzählt aus der Sicht von Estevanico, einem marokkanischen Sklaven der Narváez-Expedition von 1527. Der Roman gewann 2015 den American Book Award und den Hurston/Wright Legacy Award und war Finalist für den Pulitzer-Preis. „The Other Americans“ (2019) setzt mit dem Tod eines marokkanischen Einwanderers bei einer Fahrerflucht in einer kalifornischen Kleinstadt ein und erzählt aus neun Blickwinkeln; das Buch kam ins Finale des National Book Award. Als „Die Anderen“ erschien es 2021 bei Kein & Aber als erster ihrer Romane auf Deutsch. Nach dem Essayband „Conditional Citizens“ (2020) über amerikanische Identität und Staatsbürgerschaft schrieb sie mit „The Dream Hotel“ (2025, deutsch „Das Dream Hotel“) einen Roman der literarischen Science-Fiction: In einem Überwachungsstaat der nahen Zukunft wird die Archivarin Sara Hussein festgehalten, weil ein Algorithmus ihre Träume als Vorzeichen von Gewalt wertet. Der Roman stand 2026 auf der Shortlist des Edgar Allan Poe Award und war für den Arthur C. Clarke Award nominiert. Lalami lehrt Kreatives Schreiben an der University of California, Riverside.