Lisa Tuttle
Als erste Person lehnte Lisa Tuttle 1982 einen Nebula Award ab, den Preis für ihre Kurzgeschichte "The Bone Flute". 2003 sagte sie, am meisten bedauere sie, dass man sie nun für grundsätzlich gegen Preise halten und nie wieder nominieren könnte; sie würde gern welche gewinnen, besonders solche mit Preisgeld. Geboren 1952 in Houston, begann Tuttle in der Schulzeit zu schreiben. 1971 besuchte sie den Clarion-Workshop, der in jenem Jahr an der Tulane University in New Orleans stattfand; danach verkaufte sie ihre erste Geschichte, "Stranger in the House", die 1972 in der Anthologie "Clarion II" erschien. 1973 gründete sie mit anderen, darunter Howard Waldrop, Steven Utley und Bruce Sterling, in Austin den Turkey City Writer's Workshop, 1974 teilte sie sich mit Spider Robinson den John W. Campbell Award als beste neue Autorin und schloss an der Syracuse University in englischer Literatur ab. Danach arbeitete sie fünf Jahre als Journalistin beim Austin American-Statesman. Mit George R. R. Martin schrieb sie die Novelle "The Storms of Windhaven", 1976 für den Hugo Award nominiert; beide bauten sie später zum Roman "Windhaven" (1981, deutsch "Kinder der Stürme") aus. In den folgenden 25 Jahren entstanden vor allem Science-Fiction und Fantasy, darunter "Lost Futures" (1992, deutsch "Angsttraum"), nominiert für den Arthur C. Clarke Award und den James Tiptree, Jr. Award, dazu Jugendbücher und unter Verlagsnamen die ersten acht Bände der Reihe "Dolphin Diaries". Daneben stehen Sachbücher wie die "Encyclopedia of Feminism" (1986) und Anthologien wie "Skin of the Soul: New Horror Stories by Women" (1990). Ihre Geschichten kreisen oft um Geschlechterfragen und willensstarke Frauen, die ihre Identität befragen; David V. Barrett schrieb, sie brächten einen nicht nur zum Denken, sondern auch zum Fühlen. Für "In Translation" erhielt sie den BSFA Award. 1981 zog sie nach London; sie lehrte Schreiben bei Clarion West und am Citylit College. Tuttle hatte den Preisdirektor Frank Catalano schriftlich gebeten, "The Bone Flute" zurückzuziehen, weil ein Mitbewerber seine Geschichte an die Mitglieder der SFWA verschickt hatte: "I don't approve of this kind of campaigning". Der Brief kam erst nach der Wahl an, und als man ihr den Sieg mitteilte, lehnte sie ab; John Douglas von Pocket Books nahm den Preis für sie entgegen. Martin teilte ihre Entscheidung nicht unbedingt, kritisierte aber in einem offenen Brief, wie die SFWA damit umgegangen war. 2023 erschienen der Roman "The Curious Affair of the Missing Mummies" und die Sammlung "Riding the Nightmare".
- Geboren
- 1952-09-16