Lloyd Biggle

Lloyd Biggle war promovierter Musikwissenschaftler, als er 1955 begann, professionell zu schreiben, und die Musik nahm er in die Science-Fiction mit. Geboren 1923 in Waterloo, Iowa, diente er im Zweiten Weltkrieg als Fernmeldesergeant in einer Schützenkompanie der 102. Infanteriedivision und wurde zweimal verwundet, zuletzt kurz vor Kriegsende nahe der Elbe. Nach dem Krieg setzte er die Ausbildung an der Wayne State University in Detroit fort, erwarb an der University of Michigan in Ann Arbor den Doktortitel in Musikwissenschaft und lehrte dort und an der Eastern Michigan University in Ypsilanti. In der Science-Fiction galt er als der Autor, der die Ästhetik in eine Literatur der wissenschaftlichen und technischen Verwicklungen einführte; seine Geschichten griffen oft musikalische und künstlerische Themen auf. Der Songwriter Jimmy Webb und der Romancier Orson Scott Card haben beschrieben, wie stark die frühe Erzählung "The Tunesmith" sie in ihrer Jugend beeindruckte. Wiederkehrende Motive sind Transmitter, Psi-Fähigkeiten und das Recht unterentwickelter Kulturen auf Selbständigkeit, wobei manchmal die Menschen in der Rolle der Zurückgebliebenen stehen. Mit dem Cultural Survey erkundete er in Romanen und Magazingeschichten Fragen von Multikulturalität und Technik. Dem interplanetaren Detektiv Jan Darzek, mit Effie Schlupe ein Team für Störungen bei der Materieübertragung, widmete er fünf Romane, beginnend mit "All the Colors of Darkness" (1963, deutsch "Für Menschen verboten"); bis auf einen erschienen alle auch auf Deutsch. In den 1980er Jahren verlegte er sich auf Kriminalgeschichten. Seine Grandfather-Rastin-Geschichten erschienen über viele Jahre in Ellery Queen's Mystery Magazine, und aus der Sicht des Holmes-Gehilfen Edward Porter Jones schrieb er neue Sherlock-Holmes-Fälle wie "The Quallsford Inheritance" (1986). Bei der Gründung der Science Fiction Writers of America wurde Biggle ihr Sekretär und Schatzmeister, lange leitete er ihre Treuhänder. In den 1970er Jahren gründete er die Science Fiction Oral History Association, die Hunderte Tonbandkassetten mit Reden und Werkstattgesprächen bekannter Autoren archivierte. Nach eigenem Wort schrieb er seine Geschichten schneller, als die Magazine sie drucken konnten. Kurz vor seinem Tod 2002 erschien noch der Roman "The Chronocide Mission", und Erzählungen aus seinem Vorrat druckten die Magazine noch lange danach.

Geboren
17. April 1923
Gestorben
12. September 2002
Nationalität
Vereinigte Staaten

Bücher