Mary Doria Russell

Bevor Mary Doria Russell Romane schrieb, war sie Paläoanthropologin: 1983 promovierte sie an der University of Michigan in biologischer Anthropologie mit einer Dissertation über Bestattungsbräuche und Biologie der Neandertaler. Geboren am 19. August 1950, wuchs sie in Elmhurst bei Chicago auf und studierte an der University of Illinois und der Northeastern University, mit Abschlüssen in Kultur- und Sozialanthropologie. An der Case Western Reserve University forschte sie zur Knochenbiologie und unterrichtete Anatomie, als Anthropologin beriet sie auch Strafverfolgungsbehörden in forensischen Fragen. Nachdem die Universität ihre Abteilung gestrichen hatte, schrieb sie bei Picker International Handbücher für Magnetresonanztomographen und arbeitete fünf Jahre als freie technische Redakteurin. Als die Aufträge ausblieben, begann sie mit 45 Jahren ihren ersten Roman. "The Sparrow" (1996, deutsch "Sperling") und die Fortsetzung "Children of God" (1998, "Gottes Kinder") erzählen von einem Jesuitenpater, der zu einem fernen Planeten reist, und fragen nach den religiösen und psychologischen Folgen eines Erstkontakts; beide kreisen um die Theodizee, die Frage, wie ein gütiger, allmächtiger Gott mit unverdientem Leid zu vereinbaren ist. "The Sparrow" erhielt den James Tiptree Jr. Award (1997), den Arthur C. Clarke Award (1998), den BSFA Award und 2001 den Kurd-Laßwitz-Preis als bester ausländischer Roman; auf ihm beruhte 1998 auch der John W. Campbell Award als beste neue Autorin. John Clute, Chefredakteur der Encyclopedia of Science Fiction, schrieb, sie habe sich in ihrer kurzen Science-Fiction-Laufbahn einen starken Ruf für kognitive Feinheit und erzählerische Kraft erworben. Sie schreibe, sagte Russell, um Menschen und Ereignisse zu verstehen, die ihr Rätsel aufgeben; das mache sie schwer einzuordnen, halte ihre Bücher aber Jahr für Jahr lieferbar. Ihr erster historischer Roman, "A Thread of Grace" (2005), spielt im Zweiten Weltkrieg in Norditalien, mit dem italienischen Widerstand und jüdischen Flüchtlingen, "Dreamers of the Day" (2008) um die Konferenz von Kairo 1921. "Doc" (2011) folgt Doc Holliday 1878 in Dodge City, "Epitaph" ihm und den Brüdern Earp nach Tombstone und verfolgt die Wurzeln der Schießerei am O.K. Corral; für die Recherche ritt die Sechzigjährige 58 Meilen durch die Berge um Tombstone. Zuletzt erschien "The Women of the Copper Country" (2019) über den Streik im Kupferrevier auf Michigans Oberer Halbinsel von 1913 bis 1914; der Roman wurde 2020 als Michigan Notable Book ausgezeichnet.

Geboren
1950-08-19
Nationalität
Vereinigte Staaten

Bücher