Mathew Gregory Lewis

In zehn Wochen schrieb Matthew Gregory Lewis in Den Haag, wo er 1794 Attaché der britischen Botschaft war, den Schauerroman "The Monk" (deutsch "Der Mönch"). Das Buch erschien anonym und machte ihn mit einem Schlag berühmt; fortan hieß er "Monk" Lewis. Geboren am 9. Juli 1775 in London als Sohn eines hohen Beamten im Kriegsministerium, besuchte er wie sein Vater die Westminster School und Christ Church in Oxford und sollte Diplomat werden. In Weimar lernte er Goethe kennen, der ihn für seine Übersetzung von Wielands "Oberon" schätzte. Er übertrug Schillers "Kabale und Liebe" als "The Minister" und vermittelte seinem Freund Lord Byron den Faust-Stoff. Die meisten Rezensenten, darunter Samuel Taylor Coleridge, lehnten "The Monk" als schwülstig ab, andere sprachen von Blasphemie und Obszönität, doch gerade sein Ruf machte den Roman zum Erfolg. In der zweiten Auflage nannte Lewis sich als Verfasser und als Unterhausabgeordneter für Hindon, der er von 1796 bis 1802 war, und strich, was er für die anstößigen Stellen hielt. Byron spottete, er wolle den Parnass zum Friedhof machen; der Marquis de Sade lobte ihn in seinem Essay über den Roman. Für fremde Aufführungen, meist Stücke Thomas Holcrofts, schrieb er Epiloge und Einleitungen, in denen Geister klagten, dass im Stück kein Geist vorkomme. Sein Monodrama "The Captive" über eine Frau, die ihr Mann gefangen hält, wurde nur ein einziges Mal gespielt, und die Vorstellung wurde abgebrochen, weil Zuschauerinnen in Ohnmacht fielen. Mit Walter Scott und Robert Southey entstanden Sammelbände romantischer Erzählungen. Dem Vorwurf mangelnder Originalität begegnete er mit Anmerkungen und Listen seiner Anleihen, und 1801 verspottete er sich unter dem Pseudonym Maritius Moonshine selbst. Nach dem Tod des Vaters 1812 erbte er ein beträchtliches Vermögen, darunter dessen Güter auf Jamaika. Im August 1816 erzählte er Percy Bysshe und Mary Shelley in Genf fünf Gespenstergeschichten, die Shelley in sein Tagebuch aufnahm. Seinen Aufenthalt auf den Gütern in Jamaika hielt Lewis in einem eigenen Tagebuch fest, das 1833 postum erschien. Auf der Rückreise von Jamaika starb er 1818 an Bord und wurde auf See bestattet. "The Monk" wirkte weit, auf Ann Radcliffes "The Italian", auf Charles Robert Maturins "Melmoth der Wanderer" und in Deutschland auf E. T. A. Hoffmanns "Die Elixiere des Teufels". Wo Radcliffe das Grauen nur andeutete, zeigte Lewis die Einzelheiten und galt deshalb als Autor des Gothic Horror. Sein Spätwerk, vor allem Dramen, ist heute weitgehend vergessen; der Roman wurde 1972 und 2011 verfilmt.

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