Matt Ruff
In der Grundschule schrieb Matt Ruff Geschichten, oft mit seinen Mitschülern in den Hauptrollen und mit Handlungen aus Film und Fernsehen; sie im Englischunterricht vorzulesen, war nach seinen Worten sein erster Auftritt vor Publikum und der erste handfeste Beleg, dass er mit Geschichten unterhalten konnte. Den Entschluss, Schriftsteller zu werden, hatte er nach eigener Darstellung mit fünf Jahren gefasst. Matthew Theron Ruff wurde am 8. September 1965 in New York geboren. An der Stuyvesant High School in Manhattan gehörte Frank McCourt zu seinen Lehrern. In den 1970er Jahren schrieb er seinen ersten ernsthaften Romanversuch über eine Familie mit vielen Kindern, den er nie veröffentlichte und als eine Art „Eight Is Enough“ mit surrealen Elementen beschrieb. An der Cornell University, die er 1987 abschloss, entstand „Fool on the Hill“ (1988) als Abschlussarbeit, ein Fantasyroman, der von seiner Zeit im Risley Residential College zehrt. Die Schriftstellerin Alison Lurie, eine seiner Professorinnen, half ihm, einen Agenten zu finden. Es folgte der Postcyberpunk-Roman „Sewer, Gas & Electric: The Public Works Trilogy“ (1997), auf Deutsch „G.A.S. Die Trilogie der Stadtwerke“ (Hanser, 1998). „Set This House in Order: A Romance of Souls“ (2003), deutsch „Ich und die anderen“, stellt zwei Hauptfiguren mit einer fiktionalisierten dissoziativen Identitätsstörung in die Mitte; der Roman gewann den James Tiptree, Jr. Award und den Washington State Book Award. „Bad Monkeys“ (2007), 2008 unter demselben Titel bei Hanser, erhielt 2008 auch den Washington State Book Award für Belletristik und einen Alex Award. „The Mirage“ (2012), deutsch „Mirage“, spielt in einer Parallelwelt, in der christliche Fundamentalisten die Anschläge vom 11. September 2001 im Nahen Osten verüben. „Lovecraft Country“ (2016), deutsch 2018 unter demselben Titel, erzählt von den Abenteuern einer schwarzen Familie Mitte der 1950er Jahre in Neuengland; der Roman war 2017 für den World Fantasy Award nominiert und lief 2020 als Fernsehserie bei HBO an. Es folgten „88 Names“ (2020), deutsch „88 Namen“, und „The Destroyer of Worlds: A Return to Lovecraft Country“ (2023). Ein Freund sage, in seinen Büchern gehe es immer um Gruppendynamik, erzählte Ruff im Deutschlandfunk, und seine Erziehung sei eine Art multikulturelles Experiment gewesen. „Deshalb bringe ich in meinen Büchern gerne völlig verschiedene Persönlichkeiten zusammen, Menschen und Tiere und andere Dinge, die normalerweise überhaupt nichts miteinander zu tun haben, und dann gucke ich, wie die miteinander zurechtkommen.“