Michael Ende
"Ich hatte keinerlei Plan zu einer Geschichte und keine Idee." So beschrieb Michael Ende den Anfang von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", den er Ende der 1950er Jahre an der Schreibmaschine begann; er habe sich von Satz zu Satz führen lassen und so das Schreiben als Abenteuer entdeckt. Nach zehn Monaten war das Manuskript fertig, danach lehnten Verlage es eineinhalb Jahre lang ab, etwa als zu lang für ein Kinderbuch. 1960 brachte es Lotte Weitbrecht im Stuttgarter Thienemann Verlag heraus, 1961 erhielt es den Deutschen Jugendliteraturpreis. Geboren am 12. November 1929 in Garmisch als Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende, wuchs er in München auf; die Nationalsozialisten erklärten die Bilder des Vaters zu entarteter Kunst. Wenige Wochen vor Kriegsende zerriss der Fünfzehnjährige seinen Stellungsbefehl und schloss sich der Freiheitsaktion Bayern an. In Stuttgart, wo er 1948 an der Waldorfschule das Abitur machte, entstanden erste Texte unter dem Eindruck von Expressionismus und Dadaismus. Er wollte Theaterautor werden, besuchte bis 1950 die Otto-Falckenberg-Schule in München und spielte danach an Provinzbühnen, unter anderem in Schleswig-Holstein. Er schrieb Texte für Kabaretts und war von 1954 bis 1962 Filmkritiker beim Bayerischen Rundfunk; seine eigenen Stücke blieben erfolglos. Mit "Jim Knopf" wurde Ende erstmals finanziell unabhängig, doch Kritiker in Deutschland warfen ihm Eskapismus vor. Auch deshalb zog er Anfang der 1970er Jahre nach Genzano di Roma; in Italien, betonte er, komme es nur auf die Qualität des Geschriebenen an. Dort entstand "Momo" (1973), das 1974 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt und bei dem er nach eigenen Worten an alterndes Geld dachte. "Die unendliche Geschichte" (1979) verkaufte sich weltweit etwa zehn Millionen Mal; die Verfilmung von 1984 nannte er ein "gigantisches Melodram aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik" und ließ seinen Namen aus den Credits streichen. Marcel Reich-Ranicki erklärte: "Zum Phänomen Ende äußere ich mich nicht." Ende antwortete mit der scheußlichen Figur des Büchernörgele in "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" (1989), der ihm 1990 den Preis La vache qui lit einbrachte. In Japan, das ihn seit der Kindheit faszinierte, waren bis 1993 über zwei Millionen Exemplare von "Momo" und der "Unendlichen Geschichte" verkauft. Ende starb im August 1995 in Filderstadt; ein Libretto, seine letzte Arbeit, blieb unvollendet. Seine Bücher erreichten nach Verlagsangaben eine Auflage von über 35 Millionen, sein Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach.
- Geboren
- 12. November 1929
- Gestorben
- 28. August 1995
- Nationalität
- Deutschland