Namwali Serpell
Als Namwali Serpell 2015 für ihre Kurzgeschichte "The Sack" den Caine Prize gewann, als erste Preisträgerin aus Sambia, kündigte sie an, die 15.000 Dollar mit den übrigen Autorinnen und Autoren der Shortlist zu teilen: Fiktion sei kein Wettkampfsport. Den Sack im Titel führte sie auf einen Angsttraum mit siebzehn zurück; geschrieben habe sie die Geschichte gegen die These einer anderen Doktorandin, jeder Sack in der afrikanischen Literatur verweise verdeckt auf den transatlantischen Sklavenhandel. Geboren wurde sie 1980 in Lusaka; als sie neun war, zog die Familie nach Baltimore. Sie studierte Literatur in Yale und promovierte in Harvard über amerikanische und britische Literatur. Von 2008 bis 2020 lehrte sie Englisch in Berkeley, seither ist sie Professorin in Harvard. 2010 stand ihre Geschichte "Muzungu" auf der Shortlist des Caine Prize, 2014 nahm das Hay Festival sie in die Africa39 auf, eine Liste von 39 Autorinnen und Autoren aus Afrika südlich der Sahara unter 40 Jahren. Im selben Jahr erschien "Seven Modes of Uncertainty", eine Studie über den Zusammenhang zwischen der Fähigkeit der Literatur, zu verunsichern, und ihrem ethischen Wert; die Zeitschrift Novel nannte sie eine Bravourleistung. Das Werk Toni Morrisons, über das sie in Harvard Kurse gab, inspirierte sie; ihr Essay "On Black Difficulty" über Morrison gewann 2019 den Brittle Paper Award. Ihr erster Roman "The Old Drift" (2019) verfolgt nach Nadifa Mohamed im Guardian die verflochtenen Geschichten dreier Familien über drei Generationen. Nach dem Observer endet er in einer nahen Zukunft mit einem digitalen Gerät unter der Haut, und zuletzt frage man sich, warum man die Science-Fiction nicht als Form für den großen afrikanischen Roman gelten lasse. 2020 gewann das Buch den Anisfield-Wolf Book Award und den Arthur C. Clarke Award; im selben Jahr erhielt Serpell für ihr erzählerisches Werk einen der Windham-Campbell Literature Prizes. Der zweite Roman "The Furrows" (2022, deutsch "Die Furchen") handelt von Verlust und Trauma; die New York Times zählte ihn zu den zehn besten Büchern des Jahres. Im Februar 2026 erschien "On Morrison", nach Laila Lalami im Guardian zugleich Studie des Handwerks, kritische Würdigung und Hommage, und im April 2026 erhielt Serpell ein Guggenheim-Stipendium für Literatur.