Nino Cipri
Als Nino Cipri sich das Schreiben von Kurzgeschichten selbst beibringen wollte, war Ursula K. Le Guin nach eigener Aussage die erste Autorin, zu der Cipri griff. Le Guin und Kelly Link nennt Cipri als zwei der wichtigsten Einflüsse, dazu queere Autorinnen und Autoren der 1990er Jahre wie Poppy Z. Brite und Comics wie "Hothead Paisan". Cipri arbeitete unter anderem in der Bühnentechnik und im Buchhandel, reparierte Fahrräder bei Divvy und schrieb eine Kolumne über Essen für eine Kulturseite aus Chicago. Dazu kamen Theaterstücke, Gedichte und Radiobeiträge und Auftritte im Tanz, im Schauspiel und im Puppenspiel. 2014 absolvierte Cipri den Clarion Workshop, 2019 folgte ein MFA in Fiction an der University of Kansas. Die Erzählungen erschienen unter anderem bei Tor.com, in Fireside, Nightmare und Daily Science Fiction. "The Shape of My Name", über Zeitreisende, die an ein einziges Haus und eine Familie gebunden sind, kam 2015 ins Finale des James Tiptree Jr. Award und wurde in die Tachyon-Anthologie "The New Voices of Science Fiction" von Hannu Rajaniemi und Jacob Weisman aufgenommen; "Opals and Clay" stand 2016 im Finale des Tiptree/Otherwise Award. Die erste Sammlung, "Homesick" (2019), gewann den Dzanc Short Fiction Collection Prize und kam ins Finale des World Fantasy Award und des Shirley Jackson Award. Wie dort experimentieren die Erzählungen oft mit Form und Aufbau; solche Formen erlauben nach Cipris Worten, Ideen anders zu erkunden, als es herkömmliches Erzählen zulässt. Die Anregung zur Novelle "Finna" (2020) kam aus Besuchen bei IKEA: Cipri stellte sich die labyrinthischen Möbelhäuser als Orte vor, an denen die Wirklichkeit dünner ist und leicht reißt; auch Erfahrungen aus schlecht bezahlten Jobs flossen ein. "Finna" kam ins Finale des Nebula Award 2021 und des Hugo Award für die beste Novelle sowie des Lambda Literary Award, dazu eine Nominierung für den Locus Award. 2021 folgte die Fortsetzung "Defekt", 2024 bei Henry Holt "Dead Girls Don't Dream". Den vielschichtigen Aufbau führt Cipri auf die Drehbücher von Charlie Kaufman zurück, auf "Being John Malkovich" und "Eternal Sunshine of the Spotless Mind"; die Kritik an Nostalgie und apokalyptischem Nihilismus auf Octavia Butler, Charlie Jane Anders und Annalee Newitz. Die Texte verbinden oft Humor mit den Themen Zuhause, Entfremdung und queere Identität.
- Geboren
- 1985-08-02
- Nationalität
- Vereinigte Staaten