Nisi Shawl
Sechs Wochen im Clarion West Writers' Workshop lehrten Nisi Shawl nach eigenen Worten, was sechs Jahre an der Universität nicht vermocht hatten. Shawl nahm 1992 auf Empfehlung von Bruce Sterling an dem Kurs teil, und er wurde zum Wendepunkt: Danach etablierte sich Shawl mit Science-Fiction-Kurzgeschichten, bis 2018 erschienen knapp 60, unter anderem in Asimov's Science Fiction und Strange Horizons. Geboren 1955 in Kalamazoo, Michigan, begann Shawl 1971 mit 16 Jahren am Residential College der University of Michigan in Ann Arbor, ging ohne Abschluss ab, arbeitete in verschiedenen Berufen und schrieb nebenher. Die erste Erzählung, "I Was a Teenage Genetic Engineer", erschien 1989 in der Anthologie "Semiotext(e) SF". Die Sammlung "Filter House" (2008) vereinte elf bereits veröffentlichte und drei neue Geschichten, gewann den James Tiptree, Jr. Award und kam auf die Shortlist des World Fantasy Award; Brian Charles Clark lobte, die Geschichten seien nie didaktisch und ließen Handlung und Figuren die moralische Arbeit tun. Mit Cynthia Ward schrieb Shawl "Writing the Other" (2005), ein Handbuch aus dem gleichnamigen Workshop der beiden über glaubwürdige Figuren außerhalb der eigenen kulturellen Erfahrung; es erhielt eine besondere Erwähnung beim Tiptree Award. Der erste Roman, "Everfair", erschien im September 2016 bei Tor mit einem Umschlagbild von Victo Ngai und wurde für den Nebula Award nominiert. Die Alternativweltgeschichte lässt die Bevölkerung des Kongo die Dampftechnik etwas früher kennenlernen; britische Fabian-Sozialisten und afroamerikanische Missionare kaufen Leopold II. Land im Kongobecken ab, und dort entsteht ein neuer Staat. Shawl gehört zu den Gründern der Carl Brandon Society und zum Vorstand von Clarion West. 2011 war Shawl Ehrengast der WisCon 35, und 2015 sprach Shawl als Gast beim Symposium "Black to the Future: An Imagination Incubator" in Princeton. Herausgegeben hat Shawl unter anderem "Stories for Chip: A Tribute to Samuel R. Delany" (2015, mit Bill Campbell) und "Strange Matings" (mit Rebecca J. Holden) über Octavia E. Butler; "New Suns: Original Speculative Fiction by People of Color" erhielt 2020 den World Fantasy Award, den Locus Award und den British Fantasy Award. 2018 verlieh die SFWA Shawl den Kate Wilhelm Solstice Award. Als Einflüsse nennt Shawl unter anderem Colette, Monique Wittig, Raymond Chandler, Joanna Russ und Samuel R. Delany. Shawl lebt in Seattle und rezensiert Bücher für die Seattle Times. 2024 erschien bei Tor der Roman "Kinning", 2025 bei Aqueduct Press "Making Amends".
- Nationalität
- Vereinigte Staaten