Octave Mi

Bevor Octave Mirbeau unter eigenem Namen veröffentlichte, schrieb er zehn Romane für andere, drei davon für die Schweizer Schriftstellerin Dora Melegari. Sein eigenes Debüt kam erst 1886 mit "Le Calvaire" (deutsch "Ein Golgotha"). Geboren am 16. Februar 1848 in Trévières im Calvados als Sohn eines Arztes, wuchs er in Rémalard in der Normandie auf und besuchte ein Jesuitenkolleg in Vannes, das ihn mit fünfzehn Jahren verwies. Er studierte Kunst und Jura, ließ sich auf Druck des Vaters als Notar nieder und wurde 1870 zum Deutsch-Französischen Krieg eingezogen. Danach begann er als Journalist, zuerst im Dienst der Bonapartisten bei "L'Ordre de Paris". Antisemitische Positionen vertrat und veröffentlichte er etwa 1883 in dem von ihm geleiteten Wochenblatt "Les Grimaces". 1885 wandte er sich dem Anarchismus zu und schrieb regelmäßig für anarchistische Zeitschriften; ab 1895 revidierte er seine früheren Positionen im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre und kämpfte publizistisch für Alfred Dreyfus. Als Kunstkritiker warb er für Rodin, Monet, Pissarro, Camille Claudel und Maillol und trat früh für Van Gogh ein; dem frühen Mitglied der Académie Goncourt wird die Entdeckung Maurice Maeterlincks zugeschrieben. Die Dreyfus-Affäre verschärfte seinen Pessimismus; danach erschienen zwei Romane, die selbsternannte Sittenwächter für skandalös hielten. In "Le Jardin des supplices" (1899, deutsch "Der Garten der Qualen") lässt eine Engländerin in einem Garten in China Menschen foltern; die Literaturwissenschaftlerin Dorit Heike Gruhn sah darin eine Vorlage für Kafkas "In der Strafkolonie". "Le Journal d'une femme de chambre" (1900, deutsch "Tagebuch einer Kammerzofe") verfilmten Jean Renoir und Luis Buñuel. In seinen letzten beiden Büchern, "La 628-E8" (1907) und "Dingo" (1913), machte er seine Katze und seinen eigenen Hund zu Helden. Auf der Bühne feierte er mit der Komödie "Les affaires sont les affaires" (1903, deutsch "Geschäft ist Geschäft") einen Erfolg weit über Frankreich hinaus; in Deutschland gehörte sie nach 1903 zu den meistgespielten Stücken. 1908 spielte die Comédie-Française "Le Foyer" (deutsch "Das Heim") über die Ausbeutung von Jugendlichen in einem angeblich wohltätigen Heim. Mirbeau starb an seinem 69. Geburtstag, dem 16. Februar 1917, in Paris und liegt auf dem Cimetière de Passy. Seine Werke sind seither ohne Unterbrechung erschienen und in 30 Sprachen übersetzt, bekannt blieben aber vor allem drei davon.

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