Patience Agbabi
Patience Agbabis Lyrik ist für den Vortrag gemacht und greift doch oft zu festen Formvorgaben bis hin zu überlieferten Gedichtformen, auch wo ihre Themen der Gegenwart gehören. Zu ihren Einflüssen zählte sie Janis Joplin und Carol Ann Duffy ebenso wie Geoffrey Chaucer. Agbabi wurde 1965 in London geboren, zog mit zwölf von Sussex nach Nordwales und wuchs in Colwyn Bay auf. Sie studierte englische Sprache und Literatur am Pembroke College in Oxford. 1995 begann sie in Londoner Clubs aufzutreten, mit Atomic Lip, einer Performancegruppe, die einmal die erste Popgruppe der Lyrik genannt wurde; die letzte Tournee, "Quadrophonix", mischte 1998 Live- und Videoauftritt. Mit Adeola Agbebiyi und Dorothea Smartt erarbeitete sie das Bühnenstück "FO(U)R WOMEN", das im Institute of Contemporary Arts zuerst zu sehen war. Ihr erster Band, "R.A.W." (1995), verhandelt ihre Erfahrungen mit dem Thatcherismus, dem Leben in der Stadt und der Politik um Hautfarbe und Sexualität, in einem Ton, der den Rhythmen des Rap viel verdankt; 1997 erhielt er den Excelle Literary Award. "Transformatrix" (2000) blickt mit Formen der Popmusik auf das Großbritannien der Gegenwart und enthält Agbabis erste Bearbeitung der "Canterbury Tales": Die Frau von Bath wird darin zur Nigerianerin Mrs. Alice Ebi Bafa. 2004 stand sie auf der Liste der Next Generation Poets der Poetry Book Society, 2008 folgte "Bloodshot Monochrome". Als Canterbury Laureate bekam sie vom Arts Council ein Stipendium für einen ganzen Band nach Chaucer. Daraus wurde "Telling Tales" (2014), das jede der "Canterbury Tales" für das 21. Jahrhundert neu erzählt. Simon Armitage nannte die Gedichte des Bandes die lebendigsten Chaucer-Fassungen, die man wohl zu lesen bekomme, und der Band kam auf die Shortlist des Ted Hughes Award 2014. Agbabi brachte ihn auch als Bühnenproduktion auf Festivals und in Bibliotheken, mit Stücken wie "The Wife of Bafa". Mit dem British Council las sie in Namibia, Tschechien, Simbabwe, Deutschland und der Schweiz. Ihre Gedichte liefen 1998 in der Channel-4-Reihe "Litpop" und 1999 im Kinderprogramm "Blue Peter". Sie steuerte Texte zu Anthologien wie "Jubilee Lines" (2012) und "Refugee Tales" (2016) bei und war Poet in Residence an Orten vom Eton College bis zu einem Londoner Tattoo- und Piercingstudio; 2018 war sie Writer in Residence im Brontë Parsonage Museum. 2017 wurde sie Fellow der Royal Society of Literature. 2020 erschien bei Canongate "The Infinite".
- Nationalität
- Vereinigtes Königreich