Peter-Paul Zahl

Als früheste erhaltene Veröffentlichungen von Peter-Paul Zahl gelten zwei Plakate: die Spartacus-Flugblattgedichte von 1966, als großformatige Maueranschläge gestaltet und heute in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Zahl, geboren am 14. März 1944 in Freiburg im Breisgau, war in Mecklenburg und im Rheinland aufgewachsen und hatte in Düsseldorf Kleinoffsetdrucker gelernt. 1964 zog er nach West-Berlin, arbeitete als Drucker und hörte Literaturvorlesungen an der Freien Universität, mit dem Ziel, Schriftsteller zu werden. 1966 wurde er Mitglied der Dortmunder Gruppe 61, die Schriftsteller und Industriearbeiter zusammenbringen wollte. 1967 gründete er mit seiner Frau in Kreuzberg die Druckerei Zahl-Wienen samt Kleinverlag; sie druckte neben Firmenaufträgen Schriften der linken Subkultur, ab 1969 auch die Zeitschrift Agit 883. 1970 erschien im Düsseldorfer Karl Rauch Verlag sein erster Roman, "Von einem der auszog, Geld zu verdienen". Nach einem Schusswechsel mit der Polizei 1972 wurde Zahl 1976 zu fünfzehn Jahren verurteilt und blieb bis 1982 in Haft; dort entstanden der Roman "Die Glücklichen" (1979) und das Stück "Johann Georg Elser. Ein deutsches Drama", und 1980 durfte er die Haftanstalt verlassen, um eine Bremer Auszeichnung für "Die Glücklichen" persönlich entgegenzunehmen. "Die Glücklichen", nach dem Untertitel ein Schelmenroman, spielt im Milieu einer Kreuzberger Ganovenfamilie und ist mit Collagen, Zeitungsausschnitten und Zeichnungen versehen. In den 1980er Jahren wurde der Roman zum Kultbuch einer linksalternativen Szene. Das Elser-Stück über den Schreiner, der 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Hitler verübte, wurde am 27. Februar 1982 am Schauspielhaus Bochum uraufgeführt. Nach der Entlassung sollte er auf Grenada für das Bildungsministerium ein Theater aufbauen, bis er nach der US-Invasion 1983 des Landes verwiesen wurde; 1985 bildete er in Bluefields in Nicaragua sieben Monate lang Schauspieler und Regisseure aus. Im selben Jahr ließ er sich auf Jamaika nieder. In seinem ersten Kriminalroman, "Der schöne Mann" (1994), schuf er den jamaikanischen Privatdetektiv Aubrey Fraser, genannt Ruffneck; der Roman erhielt 1995 den Friedrich-Glauser-Preis, bis 2005 folgten fünf weitere Titel mit Fraser. Verglichen wurde Zahl wegen der Umstände, unter denen seine Bücher entstanden, mit François Villon, Blaise Cendrars und Miguel de Cervantes; Rudi Dutschke verglich in einem Essay Aspekte seines Werks mit Georg Büchner. Er starb am 24. Januar 2011 in Port Antonio auf Jamaika.

Geboren
14. März 1944
Gestorben
24. Januar 2011

Bücher