Ramsey Campbell
Elf Jahre alt war Ramsey Campbell, als er sechzehn Geschichten und ein Gedicht schrieb, selbst bebilderte und "Ghostly Tales" nannte. Seine Mutter, die nach seinen Worten Roman um Roman schrieb und kaum etwas veröffentlichte, riet ihm, zu warten, bis er ein ganzes Buch habe. Der Verleger Tom Boardman lehnte ab, ermunterte ihn im Absagebrief aber, weiterzuschreiben; gedruckt wurde das Heft erst 1987, als Sonderausgabe der Zeitschrift Crypt of Cthulhu. Geboren am 4. Januar 1946 in Liverpool, las er mit acht Jahren Lovecrafts "The Colour Out of Space". Ende 1961 schickte er "The Church in High Street" an August Derleth bei Arkham House, der die Geschichte annahm; 1964, mit achtzehn, erschien dort seine erste Sammlung, "The Inhabitant of the Lake and Less Welcome Tenants". Auf Derleths Rat verlegte er seine Schauplätze aus Lovecrafts Neuengland in die erfundene Stadt Brichester am Severn, die an Liverpool erinnert. Bis 1966 arbeitete er als Steuerbeamter, danach in den Stadtbibliotheken von Liverpool. Mit den Geschichten, die ab 1964 entstanden, wollte er so wenig nach Lovecraft klingen wie möglich. 1969 rechnete er im Fanzine Shadow mit ihm ab, 1985 in "Cold Print" nahm er das zurück: Lovecraft sei einer der wichtigsten Autoren des Fachs. Spätestens seit 1969 besprach er Filme für BBC Radio Merseyside, bis 2007. 1973 wurde er freier Schriftsteller, und Arkham House brachte "Demons by Daylight" heraus, das S. T. Joshi vielleicht das wichtigste Horrorbuch seit Lovecrafts "The Outsider and Others" nannte. "The Face That Must Die" (1979) ging nach seinen Worten darauf zurück, dass seine Mutter auf der Straße Gesichter aus Fahndungsbildern wiederzuerkennen glaubte; mehrere Verlage lehnten den Roman als zu düster ab. Von den mindestens acht Romanen der achtziger Jahre wurden sechs ausgezeichnet. "The Hungry Moon" (1986), auf Deutsch "Hungriger Mond", in dem ein uraltes Mondwesen die religiöse Hysterie einer stillen Gemeinde schürt, wurde ein Liebling der Leser; Campbell selbst zählt ihn in seinen Nachworten zu den am wenigsten gelungenen Büchern jener Jahre. Stephen King nannte "The Companion" 1981 in "Danse Macabre" womöglich die beste Horrorgeschichte in englischer Sprache seit dreißig Jahren. Drei Romane wurden in Spanien verfilmt, "The Nameless" von Jaume Balagueró, "Pact of the Fathers" als "Second Name" von Paco Plaza und 2019 "The Influence". 2015 erhielt er den World Fantasy Award fürs Lebenswerk. Zuletzt erschienen "The Incubations" (2024) und "An Echo of Children".
- Geboren
- 4. Januar 1946
- Nationalität
- Vereinigtes Königreich