Richard Bowes

Er sei 1969 bei den Stonewall-Unruhen dabei gewesen und habe am 11. September vom Ende seines Blocks aus die Türme des World Trade Center fallen sehen: So beschrieb Richard Bowes sein Leben in New York. Nach Jeffrey Ford drängt sich die Stadt in seinen Geschichten nicht auf, ist aber als Figur immer da. Geboren am 8. Januar 1944 in Boston, ging er dort und später auf Long Island zur Schule, belegte an der Hofstra Schreibkurse bei Mark Eisenstein und zog nach dem Abschluss 1965 nach Manhattan. Er schrieb Werbetexte im Garment District, handelte mit antikem Spielzeug, entwarf Brettspiele, unter anderem für National Lampoon, Dow Jones und Metropolitan Life, und arbeitete als Auskunftsbibliothekar an der New York University. Er rang mit seiner Identität als schwuler Mann; dass er sich oft als anderen Menschen in einer anderen Wirklichkeit vorstellte, sah er als Ursprung seines Könnens in der Fantasy. Seine ersten Romane, "Warchild" (1986), die Fortsetzung "Goblin Market" und "Feral Cell" (1987), spielen in einem verwandelten New York. Ab 1992 schrieb er halbautobiografische Geschichten, die Kevin Grierson erzählt, meist für The Magazine of Fantasy & Science Fiction; eine davon, "Streetcar Dreams", gewann 1998 den World Fantasy Award. Aus den Geschichten wurde der Roman "Minions of the Moon" (1999), der im Jahr 2000 den Lambda Literary Award erhielt. Auch "From the Files of the Time Rangers" (2005) erzählt Grierson: Zeitreisende treffen auf die griechischen Götter, in einer Mischung aus Zeitreise, Alternativwelt und politischer Satire. Zwei der Geschichten, "The Ferryman's Wife" und "The Mask of the Rex", kamen 2002 und 2003 in die Endrunde des Nebula Award. 2009 gewann er mit "If Angels Fight" seinen zweiten World Fantasy Award. In "There's a Hole in the City" (2005, deutsch "Ein Loch in der Stadt") sieht er die Anschläge, die er selbst erlebte, durch die vielen Geister der Stadt; die Geschichte gewann 2006 den International Horror Guild Award und den storySouth Million Writers Award und bildet das erste Kapitel eines 2013 erschienenen Zyklus über eine Gruppe von Schriftstellern in New York vor, während und nach den Anschlägen. Auf die Einordnung seiner Geschichten als halbautobiografisch antwortete Bowes, er unterscheide vielleicht einfach weniger als manche Autoren zwischen seiner Wirklichkeit und seiner Einbildung. Für junge queere Autorinnen und Autoren der Spekulativen Literatur galt Bowes als Leitfigur. Er starb am 24. Dezember 2023.

Geboren
8. Januar 1944
Gestorben
24. Dezember 2023
Nationalität
Vereinigte Staaten

Bücher