Richard Powers

An einem Samstag im Jahr 1980 sah Richard Powers im Museum of Fine Arts in Boston eine Fotografie August Sanders von 1914, die drei junge Bauern aus dem Westerwald auf dem Weg zu einem Fest zeigt. Zwei Tage später kündigte er seine Stelle als Programmierer, um einen Roman über die Menschen auf dem Bild zu schreiben. Zwei Jahre arbeitete er an "Three Farmers on Their Way to a Dance" (1985, deutsch "Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz"), das die jungen Männer im Ersten Weltkrieg, den Redakteur einer Technikzeitschrift, den das Foto nicht loslässt, und Überlegungen zur Fotografie verschränkt und ein überraschender Erfolg wurde. Powers wurde 1957 in Evanston, Illinois, geboren und wuchs in einem Vorort von Chicago auf. Als Kind kam er mit der Familie nach Bangkok, wo er die International School besuchte, Cello, Gitarre, Saxofon und Klarinette spielen lernte und die "Ilias" und die "Odyssee" las. Zurück in den USA begann er an der University of Illinois ein Physikstudium; nach eigener Aussage wollte er immer Wissenschaftler werden, bis ihm der Reduktionismus der Physik zu eng wurde. Noch im ersten Semester wechselte er zur englischen Literatur, machte 1978 den Bachelor und 1980 den Master, lernte am System PLATO programmieren und ging als Programmierer nach Boston. 1985 zog Powers in die Niederlande, wo er "Prisoner's Dilemma" (1988) vollendete und "The Gold Bug Variations" (1991) über Genetik, Musik und Informatik schrieb. 1993 kehrte er in die USA zurück und lehrte an der University of Illinois. 1989 wurde er MacArthur Fellow, 1999 erhielt er den Lannan Literary Award. Für "The Echo Maker" (2006, deutsch "Das Echo der Erinnerung") erhielt er den National Book Award. 2008 ließ er als neunter Mensch sein Genom sequenzieren und beschrieb das in der Reportage "Das Buch Ich 9". In "Generosity: An Enhancement" (2009, deutsch "Das größere Glück") begegnet der Schreiblehrer Russell Stone seiner früheren Studentin Thassa, einer Algerierin, deren beständiges Glück Journalisten und Wissenschaftler ausnutzen. 2009 lehrte Powers als Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin, 2013 berief ihn Stanford auf eine Professur für kreatives Schreiben. "The Overstory" (2018, deutsch "Die Wurzeln des Lebens") über neun Menschen, die durch ihre Erlebnisse mit Bäumen zueinanderfinden und sich der Zerstörung der Wälder entgegenstellen, erhielt 2019 den Pulitzerpreis und kam auf die Shortlist des Booker Prize. Auf dieselbe Liste gelangte 2021 "Bewilderment" (deutsch "Erstaunen"), "Playground" (2024, deutsch "Das große Spiel") auf die Longlist.

Geboren
1957-06-18
Nationalität
Vereinigte Staaten

Bücher